Dass „Rosemaries Baby“ ein Klassiker des modernen Horrorfilms darstellt, dürfte wohl unbestritten sein. Dennoch war ich nun, nachdem ich den Film das erste Mal gesehen habe, etwas enttäuscht. Zwar wird eine beispiellos raffinierte Suggestiv-Spannung aufgebaut, jedoch sind dem Film ein paar Längen vorzuwerfen.
Zur Story: Rosemary Woodhouse und ihr Mann wünschen sich sehnlich ein Kind. Als Rosemary dann schwanger wird, kann sie sich kaum an die Nacht der Zeugung, wohl aber an einen schrecklichen Albtraum vom Höllenfürst, einem zelebrierten Hexensabbat und einer Satansmesse erinnern. Bald kommt es zu Komplikationen in der Schwangerschaft und bei Rosemary nährt sich der Verdacht, dass sie den Sohn des Antichrists zur Welt bringen wird…
Wie schon erwähnt: die Entwicklung der Spannungskurve kann sich – nach sehr verhaltenem Beginn – sehen lassen und gipfelt in einem wahrhaft teuflischen Finale, welches hier allerdings nicht verraten soll. Regisseur Roman Polanski empfiehlt sich zumindest darin für die Nachfolge des „Master of Suspense“ Alfred Hitchcock. Die Schwäche oder das originelle an „Rosemaries Baby“ (je nach dem, wie man es sehen möchte) ist die Aussparung von Schockeffekten. Nur eine einzige davon hat es in den Film geschafft – der Hexen-Albtraum von Rosemary nach etwa einer Dreiviertelstunde. Und das auch nur, um eine fesselnde Spannungskurve – welche fast ausschließlich von der Protagonistin Rosemary alias Mia Farrow suggeriert wird – aufzubauen. Ohnehin lebt der Film nicht von blutigen Spezialeffekten, sondern von Geisteszustand und der Angst der großartig aufspielenden Hauptdarstellerin. Die bedrohliche und beklemmende Atmosphäre des Films wird nur von ihr und durch sie vermittelt. Leider – wie in Horrorfilmen nur allzu oft – wird der Zuschauer mit der Interpretation des Finales allein gelassen und es herrscht letztendlich der obligatorische Erklärungs-Notstand.
Fazit: Ein subtiler Klassiker des modernen Horrorfilms mit großartigen Schauspielern, aber einigen Längen. Roman Polanski gelang zweifellos ein Horror-Highlight mit – nach anfänglicher Belanglosigkeit – ausgefeilter Spannungskurve.