Review

iHaveCNit: Priscilla (2024) – Sofia Coppola – Mubi

Deutscher Kinostart: 04.01.2024

gesehen am 31.12.2023 in der Silvesterpreview

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Lumiere- Reihe 6, Platz 7 – 20:30 Uhr

gesehen am 06.01.2024

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Studio - Reihe 3, Platz 1 – 18:00 Uhr

Beginnen möchte ich meine Gedanken zu „Priscilla“ von Sofia Coppola mit dem Thema „Persönliche Befangenheit“, bei dem mir ganze zwei Fakten einfallen, für die ich durchaus ein wenig ausholen müsste, mich aber auf knappe Details fokussieren möchte. Also welche zwei Fakten sind gemeint ? Es geht hier um meinen Bezug zu „Priscilla“ und auch den Bezug der Regisseurin Sofia Coppola zum Film. Ich bin wie Priscilla Ann Presley, geborene Priscilla Ann Beaulieu ein Kind des 24. Mai. Sofia Coppolas Cousin ist ein gewisser Nicolas Kim Coppola, der unter dem Namen Nicolas Cage besser bekannt ist und eine Zeit lang mit der Tochter von Priscilla Presley, Lisa Marie Presley, liiert war. Doch genug von diesen sehr zufälligen Fakten und Verknüpfungen. Für diejenigen, denen in Baz Luhrmanns Epos „Elvis“ zu wenig auf das Kennenlernen und den Beziehungsalltag von Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu eingegangen worden ist, für diejenigen könnte sich ein Besuch von „Priscilla“ lohnen, der auf dem Buch „Elvis and Me“ von Priscilla Presley und Sandra Harmon basiert.

Während ihr Vater in Wiesbaden stationiert ist, fristet die junge Priscilla Ann Beaulieu ein doch recht langweiliges Leben in Bad Nauheim, das von Lernen geprägt ist. Doch zufälligerweise ist im selben Zeitraum auch der bereits bekannte Musikstar und Schauspieler Elvis Presley dort stationiert, für den natürlich auch Priscilla eine gewisse Faszination hegt und es wie ein Traum zu sein scheint, dass die Beiden sich kennenlernen und sogar eine Beziehung zwischen den Beiden entsteht, aus deren Konsequenz Priscilla Jahre später noch als Minderjährige zu ihm nach Memphis in sein Anwesen „Graceland“ zieht – ohne zu ahnen, welche Herausforderungen auf sie damit warten.

Ein klassisches Motiv von Sofia Coppolas Filmen scheint glaube ich daran zu liegen, von Frauen in einer Situation zu erzählen, die einer Gefangenschaft ähneln und an deren Ende so etwas wie eine Befreiung die Konklussion der Geschichte ist. Dieses Motiv variiert Coppola nun am Beispiel von Priscilla Ann Beaulieu, die hier im Film von Cailee Spaeny gespielt wird und ihrer Beziehung zu dem von Jacob Elordi gespielten Elvis Presley, bei denen ganz wertfrei eine ganz interessante Chemie beobachtet werden kann und vor allem der Größenunterschied von Beiden an manchen Stellen etwas befremdlich wirken kann. Natürlich geben sich Beide entsprechend Mühe, ihren Charaktern etwas Leben einzuhauchen, obwohl das Gegebene manchmal nicht wirklich viel mit sich bringen vermag. Gerade im Hinblick auf Cailee Spaenys Priscilla ist sehr viel ungenutztes Potential liegen geblieben, weil der Film mir nicht die Fragen beantworten wer Priscilla als Mensch, als Charakter ist und was sie ausmacht, womit Cailee Spaeny hier quasi nur die Hülle für eine Hülle darstellen könnte. Die strikte, biographische Struktur, die hier Szenen einer Beziehung und Ehe aneinanderreiht sorgt in seinen 113 Minuten für Einiges an repetitiver Redundanz. Priscillas Hülle wird auch rein durch ihre Beziehung zu Elvis Presley definiert, der für Priscilla im Film so etwas wie ein Schwarm, ein guter Freund, ein durchaus verletzlicher, verspielter Vertrauter ist – aber auch in seiner Charakterisierung so etwas wie ein toxischer, narzistischer, kontrollsüchtiger, manipulativer „Fuckboy“ ist, an dem sich die junge Jungfrau die Zähne ausbeißt. Und ob diese „Tour De Force“ in diesem Gefängnis namens „Graceland“, bei dem auch die Rolle der Medien und der Gesellschaft eine Rolle spielen mit der letztendlichen Konklussion einer Befreiung als offenbar beabsichtige Darstellung von Female Empowerment beziehungsweise der weiblichen Befreiung und Selbstermächtigung so dienlich ist, möchte ich an dieser Stelle in Frage stellen. Dennoch muss man dem Film seine makellose Optik und Ausstattung beziehungsweise Hülle zugestehen.

„Priscilla“ – My Second Look – 6/10 Punkte





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