(...)The Film does not warrant, represent, or claim to be a factual depiction of any events or incidents or history of any individual. The film is meant for entertainment purposes alone and does not intend to defame, denigrate, disparage or hurt the sentiments of any person, religious group, community, institution, nationality, profession or any class of person(s), gender, caste or religion in any manner.
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Viel Vorwarnung zu Beginn, ein Disclaimer als Ausschluss, dass sich Freisprechen von ausgelösten Reaktionen, die Prophylaxe eines hetzerischen, ketzerischen Blockbusters, der nach Pathaan erneut die Massen in die Kinos gelockt, erneut dem indischen Film einen Rekord verschafft hat, die weitere Bestätigung von Shah Rukh Khan und dessen anhaltenden Crowdpleaser-Appeal auf den Zuschauer ist. Pathaan als Actionthriller mit Bezügen zu einer pakistanischen Terrormiliz und einem Überläufer des eigenen Mutterlandes, dort als Bestandteil bereits einer größeren Reihe, einer Saga, hier als Originalgeschichte (basierend auf wahren Ereignissen, als hehres Anliegen, mit viel Grobheit und Peinlichkeit) und ohne die Unterstützung von weiteren (männlichen) Stars abseits von Khan in einem ähnlichen Umfeld gesetzt; allerdings ist erneut Deepika Padukone als stärkende Kraft (in einem längeren, auch recht verzichtbaren Cameo) anbei:
Vor vielen Jahren wurde der Soldat Captain Vikram Rathore [ Shah Rukh Khan ] von seinem damaligen Erzfeind Kalee Gaikwad [ Vijay Sethupathi ], einem schmierigen Waffenhändler, in der Freizeit angegriffen und mutmaßlich getötet, die Ehefrau Aishwarya Rathore [ Deepika Padukone ] wurde unter falschen Voraussetzungen angeklagt und zum Tode im Gefängnis verurteilt. Das Gefängnis leitet mittlerweile ihr auch dort geborener Sohn Azad [ ebenfalls Shah Rukh Khan ], der es sich zusammen mit den unschuldig angeklagten Insassinnen Lakshmi [ Priya Vasudevan Mani Iyer ], Eeram [ Sanya Malhotra ], Ishkra [ Girija Oak ], Kalki [ Lehar Khan ], Helena [ Sanjeeta Bhattacharya ] und Janhvi [ Aaliyah Qureishi ] zur Aufgabe gemacht hat, die Gesellschaft über bestehende Missstände aufzuklären und das Geld von Kriminellen Reichen an die Bedürftigen und Ausgebeuteten zurück zu verteilen. Dabei greift er auch zu extremen Maßnahmen, die Narmada Rai [ Nayanthara ], die Führung der Counter Terrorism Unit der Mumbai Police auf den Plan rufen.
Viele Werbepartnerschaften haben den Film (eine Hirnwäsche) finanziert und ermöglicht, produziert von Red Chillies Entertainment, als Hindi-Debüt vom sonst mit tamilischen Filmen hantierenden Regisseur Atlee Kumar, der mit friedlich scheinenden Landschaftsaufnahmen direkt aus dem ruralen Postkartenfundus startet, etwas Künstlichkeit schon, viel Mystizismus, Naturheilkräfte in der Überzeichnung, das gewohnte Bild in der Überhöhung. Das monatelange Wirken einer Heilung, das Schaffen einer Legende, der Bruch der Friedlichkeit und Freude durch hereinbrechende Gewalt, durch deutliche Brutalität, der plötzliche Angriff aus der modernen Fremde. Vor Frauen wird nicht Halt gemacht beim Massaker, vor Kindern und vor Greisen nicht, ein violentes Intermezzo, das der Anfang von noch so vielem Kommenden ist. Gebetet wird hier, durchbohrt und aufgespitzt, Zeitlupen gefeiert, das Geschehen gleichzeitig in Einzelbestandteile zersplittert und gedehnt, die Aufmerksamkeit auf Details gelenkt und festgezurrt, ein Mann zur Verteidigung des Dorfes erwacht, brennende Pferde fliehen, Blitze und Funen schlagen ein, Donner kracht. Viel Federlesens macht man hier nicht mit den Gegnern, es wird gemetzelt wie zuvor, diesmal nur als auserkorener Messias.
Die eigentliche Geschichte spielt erst 30 Jahre später, sie spielt im Hier und Heute, sie bezieht sich auf ein reales Ereignis, welches eingangs auch deutlich erwähnt wurde und gleichzeitig ausgeschlossen und negiert, eine doppelte Verneinung quasi, eine zusätzliche Betonung, ein weiteres Ausrufezeichen, eine Großschreibung mit Akzentuierung. Die Inszenierung ist präzise und hektisch, sie ist spielerisch, aber mit 'falschen' Ansätzen, sie ist übersichtlich gehalten und auf Kleinigkeiten bedacht, sie ist merkwürdig unangenehm und handwerklich hochtechnisch. Eine großangelegte Geiselnahme als Unterhaltungsform, die Bedrohung von Zivilisten mit Waffen zu poppigen Klängen und ebensolcher Montage, eine merkwürdige Erscheinungsform, eine diffuse Wahl von Entertainment, ein widerspenstiges bis abstoßendes Konstrukt, eine Art Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 als bunter Zynismus, als bestenfalls diffiziles, eher albtraumhaftes Seherlebnis.
Die ersten Entführten werden schnell vor laufender Kameras erschossen, ein eingreifender Polizist blamiert, eine Kritik an der derzeitigen Politik, ein Weckruf der Bevölkerung soll das darstellen, die Form eines grellen Quiz wird dafür gewählt, eine Bloßstellung der herbeizitierten Minister in der Verhandlungsführung, emotional ist der Film plump, unstet und uneins, es werden allerlei obskure Mittel zum Überbringen von Botschaften gewählt. Ein Beifallsheischen für den Terroristen, den Rebellenführer, den selbsterklärten oder dazu erklärt versuchten 'Robin Hood' hier, mit dem Zweck, der alle Mittel heilt, mit den vorgebrachten Ausreden und Begründungen, mit den episodisch gezeigten Motiven für seine Taten, mit der Selbstjustiz und dem Rechtfertigen dieser. "This is not a good sign of our demogracy.", heißt es irgendwann kurz vor dem Ende, das fällt spät auf, das interessiert hier keinen.
Darstellerisch ist das recht aufdringlich dargereicht, ein Schauspiel wie für die letzten Bänke, sodass auch jeder im Publikum die Wichtigkeit und die Dringlichkeit und natürlich die Richtigkeit der Aussagen bemerkt und inhaliert; dass man nicht nur Eintritt bezahlt, sondern auch etwas mitnimmt nach Hause, dass man aufgerüttelt wird aus seinem Halbschlaf und dem Leben des Alltäglichen. Der Vigilante hier mit dem Güldenschrein lässt zwar wild um sich schießen, Gebäude explodieren und Massen im Chaos flüchten, verletzt wird aber niemand, Applaus dem, dem Applaus gehört.
Dass dabei auch Gesungen und Tanznummern geboten werden, ist nicht das Problem, diese sind weitgehend unverdächtig gehalten; auch wenn eine Musicaleinlage in einem frisch mit dem "United Nations Public Service Award" ausgezeichneten Frauengefängnis (?) abgehalten wird – Hintern Gittern ist hier mehr eine Art Nonnenkloster, ein Schutzraum für Frauen, eine Notinsel, eine Herberge zur 6. Glückseligkeit – , Khan hat hier sowieso seine eigene Girl's Group am Start, der Kult und sein fast sechzigjähriger Sektenführer. Vieler Blick und direkter Kontakt über die vierte Wand zum Publikum können nicht vermeiden, dass auch hier die Sympathien wenig bis nicht vorhanden sind, das Meiste in der Darbietung ist einfach Show und trotz Ansätzen bzw. Versuchen einer Selbstironie oftmals peinlich. Dramaturgisch wird mit viel Rückblenden und dort auch Süßholzraspeln oder Absurditäten mit dem Abfeiern eines Lynchmords gearbeitet, besser funktionieren die (überschaubaren) Actionszenen selber, das Durcheinander in der Metro, später eine Belagerung und Stürmung eines stillgelegten Krankenhauses, vorher die Entführung des Gesundheitsministers, größere Explosionen, schnelle Kampfeinlagen, viel auch in voluminöser Ordnung. Ehrenrettung ist eine spektakuläre Materialschlacht auf der Straßen mit mehreren Parteien, darunter vielen Lastkraftwagen im Konvoi, die wohl beste Arbeit vom extra dafür eingeflogenen Spiro Razatos seit der Rio-Sequenz aus Fast & Furious Five. Ansonsten gibt es Märytertote und es wird oft geweint.