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Wenn die Geschichte über einen Auftragskiller ohne einen Mord auskommt, muss schon etwas besonderes dahinter stecken. Während der deutsche Titel fälschlicherweise so etwas wie eine Variante von „Bonnie & Clyde“ suggeriert, handelt es sich bei der Hauptfigur vielmehr um eine Person, welche tatsächlich existierte und die im Kern dem nachging, wie es hier in rund 155 Minuten dargeboten wird.

New Orleans: Gary Johnson (Glen Powell) ist eigentlich ein engagierter Lehrer für Psychologie und Philosophie. Doch da er nebenher an technischen Spielereien für die hiesige Polizei arbeitet, gelangt er eines Tages an einen Undercoverjob: Als vermeintlicher Hitman soll er die Auftraggeber im Vorgespräch festnageln, bis letztlich die Handschellen zuschnappen. Das funktioniert eine Weile recht erfolgreich, bis ihm attraktive Madison (Adria Arjona) den Auftrag erteilt, ihren Ehemann umzubringen…

Regisseur Richard Linklater („A Scanner Darkly“, „School of Rock“) und Hauptdarsteller Glen Powell taten sich für das Drehbuch zusammen, um ihr Skript auf Basis eines Artikels zu erweitern, was insbesondere auf die Romanze zutreffen dürfte, welche in der zweiten Hälfte der Story dominiert, jedoch nicht minder interessant verläuft, als die Entwicklung des Protagonisten. Dieser scheint erst in verschiedene Verkleidungen und Rollen schlüpfen zu müssen, um dadurch zu sich selbst zu finden, denn auf den ersten Blick führt der sympathische Lehrer, der mit seinen Katzen „Ich“ und „Es“ (frei nach S. Freud) lebt, ein unaufgeregtes Dasein.

Zwar verlaufen die Aktionen als angeheuerter Auftragskiller stets nach ähnlichem Muster, doch die Verkleidungen als auch das teils bewusst überzeichnete Klientel regt zwischendurch zum Schmunzeln an, was stets mit einem absolut zutreffenden Mugshot endet.
Mit der Anbahnung der Romanze entsteht zwar unweigerlich die Befürchtung eines kitschigen Verlaufs, doch den umschifft Linklater geschickt mit einigen weiteren Rollenspielen und geschliffenen Dialogen, zumal die Chemie zwischen dem Paar unübersehbar ist.

Trotz kleiner Bissigkeiten und morbider Gedankengänge bleibt der Stoff insgesamt recht harmlos, zumal er mit simplen Mitteln und wenig Aufwand umgesetzt ist. Action oder gar Blutvergießen wären auch völlig fehl am Platz, allerdings wirken auch einige philosophische Exkurse etwas zu kurz gedacht und über jenen Sigmund Freud kommt man auf psychologischer Ebene kaum hinaus. Demgegenüber entstehen keine merklichen Längen, zumal es in der zweiten Hälfte zu einigen Irrungen und Wirrungen kommt, welche die Geschichte interessant halten.

Als deutlicher Pluspunkt Kristallisiert sich der überaus wandelbare und charismatische Powell heraus, der in seinen Verkleidungen voll aufgeht, jedoch nie den Fehler macht, ins Overacting zu verfallen. Aber auch Arjona hat einige starke Szenen und beweist ebenfalls ein gutes Gespür fürs Timing. Ein wenig verloren geht derweil der Score, der trotz einiger Songs keine markante Note einzufügen vermag.

Diese Killer Romanze ist kein garstiges Stück Noir oder eine Abrechnung mit einsamen Wölfen, die inkognito zum tödlichen Schlag ausholen, sondern vielmehr eine angenehm unbeschwerte Komödie mit einigen Verwicklungen, starken Darstellern und einer gesunden Portion Humor, die in ihrer charmanten Art locker für die breite Masse taugt.
7,5 von 10

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