Leck mich… am Arsch!
Psychothriller, Berufsduell und Erotikvexierspiel verwischen in diesem Netflix-Geheimtipp - wenn in einer glücklich scheinenden, sexuellen sehr aktiven Beziehung plötzlich messerscharfe und hochhaushohe Probleme entstehen, wenn die Heirat ansteht bzw. viel eher wenn SIE im Unternehmen (in dem beide arbeiten) befördert wird…
Blowjob oder Job blown?
Immer wird von selbsternannten „Kennern“ getönt, dass Netflix null gute Filme produziert, kauft, vermarktet. Dabei könnte ich locker in einer halben Stunde eine mindestens sehenswerte, vielleicht sogar nahezu meisterhafte Top 100 (!) der Netflix-Exclusives erstellen. Okay, bei international mittlerweile fast 4000 (!) Titeln unter dem Banner des großen, roten N ist die Prozentzahl der wirklichen Hits dann selbst nach meiner Rechnung nicht allzu glücklich, Qualität über Quantität ist nicht Netflix' Motto - aber dass es dort nur platten Mainstreamstuss gibt lässt sich so einfach eben doch nicht sagen. Lange Rede, kurzer Sinn: „Fair Play“ ist einer dieser Netflix-Titel im grünen Bereich. Und er hat dabei keinen Schlüpper an…
Eine Renaissance des Erotikthrillers muss man von Netflix und „Fair Play“ nicht erwarten. Erst recht weil er viel eher ein Arbeitsplatzthriller und ein Gleichberechtigungs-/Geschlechterkampf ist als reinstes Bettgeflüster und Bumsgewitter. Auch eher hypothetisch und blitzschnell als realistisch und glaubhaft. Gerade in der Entwicklung der Beziehung von happy zu psycho geht’s flotter als ein Quickie. Wie fix hier die männliche Hauptfigur in sich und seinem Selbstbewusstsein zusammenbricht wegen der Beförderung seiner Liebsten ist sagenhaft (bescheuert). Das muss man erstmal schlucken. Aber dennoch macht er seine Sache eigentlich in allen Stellungen gut. Dynevor ist sexy, hat aber auch Kraft, Charisma, mysteriöse Aura. Ehrenreich kann ebenfalls beide Seiten und etwas zwielichtig, gefährlich dreinschauen, trotz oft treu-doofem Blick. Dass es noch lange nicht für eine rosige Zukunft in der Beziehung sprechen muss, nur weil es im Bett läuft, ist keine allzu weit hergeholte und unrealistische Erkenntnis. Liebe gegen Erfolg. Und das alles dann in Designeranzüge zu stecken, zwischen Jobchancen und Ellenbogenkapitalismus zu legen oder eher gesagt es als Gegner gegenüberzustellen, ist nicht uninteressant, unoriginell und noch weniger unintelligent. NYC sah lange nicht mehr so schnittig aus. Gewissensbisse und Passionskniffe. Als ob man „Suits“ mit „Marriage Story“ und „Basic Instinct“ plus „Glengarry Glen Ross“ und „Secretary“ kreuzt. Rotweinromanze. „Fair Play“ hat Pfiff, Eier und Eierstöcke, windschnittige Anzüge und giftige Blicke. Genau der richtige Film für den ein oder anderen Macho, Alphamale und Bürohengst… Auf die Knie du Wicht!
Scharfe Liebe wie in den Neunzigern?
Fazit: bringt vielleicht nicht direkt den Erotikthriller zurück, ist aber dennoch ein sexy und knackiger Curveball… „Fair Play“ ist einer der schärfsten und bissigsten Filme auf Netflix. Selbst wenn mir das Finnish noch weiter hätte gehen dürfen… ich war dennoch angefixt und am Stieren.