Review

Ach, manchmal liebe ich das Internet, vor allem, wenn sich gewisse archäologisch gefärbte Kräfte daran machen, irgendwelche längst vergessenen Filmgurken, die anno Tobak mal auf VHS rausgerülpst wurden, zumindest für die Allgemeinheit hochzuladen.
Das führt dann zu dem großen Vergnügen (meistens als „ultra rare“ gekennzeichnet und ich stimme zu, denn bisweilen hatte ich von den Filmen NOCH NIE auch nur eine Spur entdeckt), sich einen miesen VHS-Rip eines superschlechten Films, den Filmstudenten auch noch auf Video gedreht haben, genießen zu dürfen. LSD unnötig, da der Augenschaden meist inkludiert ist.

„Terror Eyes“ ist auch so ein Klopfer, bei dem Suchanfragen meistens zu dem 1980er „Terror Eyes“ (bei uns „Der Frauenköpfer“) führen, bis man dann unter Zugabe des Produktionsjahrs (1989, schon das ein übles Zeichen meiner Erfahrung nach) doch noch ein Spur davon findet, weil ich nicht der erste Depp bin, der sich über dieses Relikt hermacht (aber einer von zehn insgesamt oder so).

Okay, ich habe viele Scheißfilme gesehen und „Terror Eyes“ ist wahrhaftig nicht gut, aber immerhin mit so viel Ambition gemacht, dass ich euch davon erzählen mag.
Alles beginnt mit Eva, die enorm schlecht schlafen kann, weil sie ganz dringend mal ein Drehbuch für einen Horrorfilm zusammenrotzen muss. Da es ihr erstes Drehbuch überhaupt ist und sie außer 80er-Lockenfrise keine wirklichen Innovationen am Start hat, fragt sie ihren moppeligen Arschlochfreund und später dann bei einem spontanen Campingausflug mit ihrer peer group auch noch die restlichen Freunde, ob sie nicht mal eine übernatürliche Storyidee absondern könnten. Auf diese Art und Weise kommen dann auch tatsächlich drei Stories für einen Omnibus-Film zusammen, die jeweils eine knappe halbe Stunde dauern.

Der Gag dabei ist, dass es sich tatsächlich um drei Studentenfilme der Filmhochschule handelt, die man hochnotpeinlich mit einer Rahmenhandlung versehen hat, insofern bekommt man hier was Erntefrisches geliefert, nur ohne Kräuter und Gewürze.

Die erste Story, „Book of Life” hat schon mal eine witzige Prämisse, denn uns wird ein höchst disfunktionales Pärchen gegönnt, sie Typ Nägellackiererin, er macht irgendwelche Asi-Dönnekens mit Wetten und dem TV-Programm. Dann steht ein Vertreter vor der Tür und präsentiert ihnen ihr „Book of Life“; was mit einem höchst vergnüglichen "We don’t read!“ kommentiert wird. In der Kladde steht alles, also so richtig alles, was der Männe in seinem Leben so gemacht hat (so dick ist die Chose auch nicht) und natürlich was er JETZT macht und JETZT sagt. Was macht man als Dummbatz also: klar, man versucht, die Schwarte zu zerstören. Und nun ratet…

Wenn man sich von den lecker Schmelzeffekten und dem vielen Rauch erholt hat, kann man sich auf „Perfect Alibi“ freuen, in dem ein Schmierlackel im Miami-Vice-Gedächtnis-Dealer-Outfit für den nicht minder öligen Typen, der seine Schuldscheine besitzt, einen Safe ausräumen soll. Das klappt so mittel, doch die tote (Ehe-)Frau im Heim seines Schuldenknechts wollte er dann doch nicht dazu. Da er nicht auf Framing steht, flieht er zurück in sein Alibi (ein Kino), wo er einem Zeitschleifeneffekt unterliegt und den gewesenen Tag mehrfach wiederholt. Dabei lernt er natürlich dazu, aber generelle Talentlosigkeit geht davon natürlich nicht weg.

In der finalen Runde geht es richtig an die Augen: Michael Rissis „Snake Eyes“ ist nicht nur der ambitionierteste unter den Filmen (der wirklich Potential für eine längere Version hättte), er ist auch dank seines Aufnahmemediums Video ein Fest für die Pupillen. Also, wenn man sie nicht mehr braucht.
Kostensparend, aber kreativ wird die Story eines weiblichen Schachgenies erzählt, die mit ihrem Ruhm erst mal ordentlich Front gegen einen misogynen Computerspieledesigner machen möchte. Der Schnauz hinter den Killerspielen ist aber ein regelrechter Psycho, entführt das Mädel und lässt sie auf ein Fallenlabyrinth los, dass sie lebendig hinter sich bringen muss, während er ermüdend vor sich hin scherzt und lacht. Am Ende tritt sie ihm dann in einer Sparversion von „Westworld meets Graf Zaroff“ gegenüber, einer alten Westernstadt, in dem sie mit einem Messer zu einer Schießerei kommt.

War noch was? Ach ja, der moppelige Freund aus der Rahmenhandlung ist übrigens inzwischen ermordet worden und der Leibhaftige hat seinen Körper übernommen, um nun alle happy campers mit einer unsichtbaren Waffe zu ermorden (total kostengünstig, alles Geld floss in seine Maske).

Ihr merkt schon: gewollt ist nicht unbedingt gekonnt, "budget killed the creativity star" und ach, wenn doch irgendwer von uns richtig gut schauspielern könnte. Dennoch mühen sich die Absolventen redlich, wenn auch vergeblich. Am besten sind immer noch ihre Storyideen, die Murmeltierchose passt sogar ganz gut in eine Anthologieserie, hängt ein wenig beim Spannungsbogen. Die erste Episode ist recht formlos und setzt leider schon die Segel für den einfallslosen Umgang mit der Kameraarbeit, denn praktisch ständig hat man in Rahmenhandlung und erster Episode auf Einzelaufnahmen gesetzt. Jeder spricht in seiner Kulisse seinen Satz und später baut man das alles zusammen – nur funktionieren will es nicht, weil es statisch und amateurhaft wirkt.
Mein Liebling war die Westworld-Neuadaption, die man gern mit dem zwanzigfachen Budget ausstatten möchte, ist das Ende doch sogar noch originell geraten. Auch die Videospielanimationen und die Bauten für das „human rat race“ sind einfallsreich, der dramatische Umgang damit jedoch gelingt nur bedingt.

Dennoch sorgt „Terror Eyes“ nicht wie andere Amateurkackfilme für Frustreflexe, sondern rettet sich über die präzisen 90 Minuten, auf das keiner die Qualitätsunterschiede bemerken möge.
Natürlich ist der Film heute quasi vergessen – auch wenn drei der Macher ein Jahr später „Soultaker“ inszenieren sollten – aber dieses Studentenfeeling ist so quietschvergnügt, dass ich allem zusammen noch drei Punkte spendiere.
Und euch den Hinweis, dass „ultra rare“ meistens schon Hinweis genug ist, so etwas vor dem Vergessen zu bewahren. (3/10)

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