Ippon!
Als Braungurt und Judoka durch meine komplette Kindheit/Jugend habe ich ein besonderes Interesse an "Tatami", obwohl der eigentliche Sport natürlich hier im Kern ein gutes Stück politischen, menschlichen, gesellschaftlichen Themen weichen muss und das mit Sicherheit auch an andere Sportarten angehangen hätte werden können. Trotzdem hat mich "Tatami" auch gerade wegen diesem "Judo-Blickwinkel" extrem gefesselt, funktioniert aber glaube ich auch für alle Leute ohne Berührungspunkte mit dem Sport, wenn eine iranische Judoka bei einem internationalen Turnier moralisch wie national in Bedrängnis kommt und der Kampf um die Goldmedaille massiv degradiert, attackiert, politisiert wird...
Ich hatte wohl mehr Arthouse erwartet, aber ich bin überrascht, wie krass "Tatami" nach vorne geht, wie intensiv und authentisch die Kämpfe sind, wie energetisch und hübsch das alles inszeniert ist. Das ist trotz all dem gesellschaftspolitischen "Ballast" ein enorm erfolgreicher Kampf- und Sportfilm, Respekt! Jetzt nicht "Bloodsport" erwarten, seriös und reif ist das Ganze schon. Aber es geht eben auch gut ab, gut auf die Knochen und Matten. Das aber nur am Rande für diejenigen, die wie ich ich zum Teil hier zu trockenes und theoretisches Politkino erwarteten. Dem ist nicht so. Im doppelten und dreifachen Sinne, da auch die politischen und moralischen und feministischen Fragen mit einem dermaßen wahnsinnigen Druck, einer Zerrissenheit und Intensität eingefangen werden, dass man es fast (passend zum Thema) körperlich spürt. "Tatami" hat einen tatsächlich durchgehend am Kragen!
Fazit: Voll mit Wut, Politik, Technik, Sport und Weiblichkeit... "Tatami" haut dich mit enormer Power auf die Matte!