Nach „Llorenas Fluch“ und „Conjuring 3 – Im Bann des Teufels“ darf Regisseur Michael Chaves erneut im Conjuring-Kosmos tätig werden. Im Mittelpunkt steht die dämonische Nonne, welche mit ihrem Erstling 2018 den bis dato erfolgreichsten Film der Reihe hervorbrachte.
1956: Nach unerklärlichen Ableben einiger Geistlicher wird die Nonne Irene (Taissa Farmiga) von Italien nach Frankreich geschickt, wo sie in Begleitung von Schwester Debra (Storm Reid) Licht ins Dunkel bringen soll. Erneut begegnet sie in einem Mädchen-Internat dem Dämonen Valak, doch auch ein alter Freund taucht wieder auf…
Chaves und sein Team hangeln sich einmal mehr an den Mechanismen der Reihe ab, insbesondere an denen des Vorgängers. Eine düstere Grundatmosphäre in den Klostermauern wechselt sich mit einigen Recherchen ab, so dass es zunächst zwei parallel ablaufende Handlungsstränge gibt, die in der letzten Phase zusammengeführt werden.
Mit dem Hausmeister Maurice (Jonas Bloquet) und der Außenseiterschülerin Sophie (Katelyn Rose Downey) gibt es immerhin zwei Sympathieträger, wogegen die garstige Mutter Oberin allenfalls dazu taugt, bisweilen ein Opfer der Entität zu werden.
Inszenatorisch stehen einige Außenaufnahmen im netten Kontrast zu den düsteren Klostermauern in einem zumeist sonnigen Paris der 50er, wogegen eine verbotene Kathedrale und eine üppige Vorratskammer typische Lokalitäten des Dämonenterrors bilden. Während sich der Schrecken eher langsam den Protagonisten nähert und die Titelgebende mit kleinen Trugbildern etwas Schrecken verbreitet, sind es letztlich eher Einzelmomente, welche der Schreckensfahrt ein wenig Abwechslung verschaffen, etwa, als Zeitschriften an einer Wand wie durch Geisterhand ein neues Bild formen.
Leider fallen die Figurenzeichnungen reichlich mager aus und man setzt offenbar voraus, das Schwester Irene einiges auf dem Kasten hat, wozu sich kurze Flashbacks als Untermauerung gesellen. Schwester Debra, die in ihrem Glauben noch nicht allzu gefestigt scheint, bildet eine patente Ergänzung und wenn die Recherche einmal hakt, kann immer noch ein scheinbar allwissender Bibliothekar aus dem Hut gezaubert werden.
Bei alledem dürfen natürlich nicht die obligatorischen Jump Scares fehlen, die eher dann wirkungsvoll sind, wenn der Sound nicht mit vollem Einsatz das Visuelle übertüncht. Der Blutgehalt fällt insgesamt eher dürftig aus, wonach eine FSK16 angemessen erscheint, auch was eine eher trashig anmutende Bedrohung in der finalen Phase betrifft. In jener geht es zwar recht temporeich vonstatten, doch getrübt wird diese durch weniger überzeugende CGI-Feuer und etwas zu häufig aufleuchtenden Dämonenklüsen.
So sehen Innovationen letztlich anders aus, wenn über weite Teile merkwürdigen Geräuschen nachgegangen wird, Licht an/Licht aus – Spielchen etwas überstrapaziert werden und man den Ursprung seltener Relikte etwas zu leicht auf die Spur kommt. Sauber performt wird das Ganze immerhin, der Score fällt mindestens tauglich aus und auch das Setting der Kloster schafft ab und an etwas Atmosphäre. Wer den Vorgänger super fand, könnte hiermit auf einen adäquaten Nachfolger stoßen, in der Masse bildet „The Nun II“ jedoch allenfalls austauschbaren Durchschnitt.
5,5 von 10