Die gruseligste Figur - springt dir immer wieder mit nacktem Arsch ins Gesicht?
Das „Conjuring“-Universum hatte seine Momente, hat immer noch hohe Besucherzahlen und die Mainstreamhorrorgucker zeigen sich zufrieden. Dennoch ist ein Druck- und Qualitätsabfall für niemanden von der Hand zu weisen. Und der erste „The Nun“ war für mich immer ein Tiefpunkt des Franchise - was man mit einer der böseren und creepigeren Figuren der letzten 20 Horrorjahre auch erstmal schaffen muss. Eine vollwertige Enttäuschung vor fünf Jahren. Aber das Box Office ratterte eben, Welterfolg ist hier keine Lüge. Dafür reichte glaube ich allein „die Nonne“ als fiese Figur, die sich bei einigen seit ihrem ersten Erscheinen in den Hauptablegern der Reihe in etliche Alpträume schleichen konnte. Ich habe Teil 1 dennoch ziemlich gehasst. Nun kommt mit etwas Verzögerung das Sequel - wo der Trailer leider schon ein unfassbares Jumpscare-Massaker androhte. Wir folgen erneut Schwester Irene, die sich den dunklen Mächten rund um die dämonische, unvergessliche Nonne ein für alle mal stellen muss, dieses Mal in einem kleinen französischen Kaff…
Zölibat des seichten Schreckens
Hübsch ist „The Nun II“. Das muss ich ihm lassen. Man sieht das Hollywoodbudget. Das ist dermaßen geschniegelt und gestriegelt, fast schon zu glatt und rein, dass man, gerade wenn man viel grieseligen Indiehorror guckt, hier definitiv ein anderes Niveau erblickt. Außerdem sind einige Schocks theoretisch fein konzipiert und fast schon spooky Jahrmarktspielereien der Traumfabrik. Laut, derb, dennoch aufwändig und verspielt. Fast schon was arrogant im Hinauszögern. Außerdem sehe ich jede Farmiga gerne, die klösterliche Atmosphäre breitet sich schnell im Kino aus und sorgt in ganz wenigen Momenten vielleicht sogar für die einzigen Gänsehäute. Und für „Conjuring“-Fans gibt’s natürlich wieder die ein oder andere Connection zu entdecken. Doch im Grunde bleibt es ein Spuk für den Moment, ein Schock wie ein Klatschen ins Gesicht. Aber nichts Bleibendes, nichts unter die Haut Gehendes, nichts von Wert im Horrorgenre. Sehr wenig Können ist hier am Werk, wenn es um das eigentliche Angstmachen geht. Denn seien wir ehrlich: egal wie hoch die Produktionswerte sind - hinter einer Ecke hervorspringen und schreien kann jedes Kleinkind. Dazu braucht man keine Gemäuer, Roben und Mythen. Die Figur und das Aussehen der Nonne haben enorm an Wirkung mittlerweile eingebüßt - und beide „The Nuns“ sind die traurigen Hauptgründe dafür. Valaks unangenehmes Antlitz hätte mehr verdient gehabt. Besonders ist in „The Nun II“ im Positiven vielleicht noch, dass auch Kinder keinesfalls sicher sind. Und im Negativen, dass Momente wie „der Zeitungsstand“ von einem Könner der Materie wohl durchaus Material geboten hätten, richtig bleibenden Eindruck zu machen - aber Chaves scheinen dafür durch Wans Schatten und überschaubares eigenes Können arg die Mittel zu fehlen. So geht dem gesamten Franchise durchaus deutlich langsam die Luft aus. Zu abgenutzt und durchschaubar, basic und faul ist dieser höllische Zauber. Und wie wenig Valak insgesamt überhaupt auf der Leinwand zu sehen ist, grenzt zusätzlich an eine Frechheit und vergebene Chance.
Fazit: vielleicht ein Quäntchen effektiver, ausgefeilter und hübscher als sein Vorgänger. Aber immer noch plumpster Geisterbahnmassenschocker, der nicht ansatzweise genug aus seinem eigentlich phänomenalen Monster macht. Selbst aufwändigste, im Konzept elegante und kreative Jumpscares bleiben eben nur… Jumpscares. Und das ist für Horrornerds dann insgesamt nur noch das Pendant zur Fahrstuhlmusik. Aber ein sehr chic ausgestatteter Aufzug, das stimmt.