„Gedankenlesen, Hellsehen, Gespenster und Dämonen!“
Der französische Regisseur Jacques Tourneur, der 15 Jahre zuvor bereits das edle Voodoo-Drama „Ich folgte einem Zombie“ drehte und auch für den allgemein respektierten „Katzenmenschen“ verantwortlich zeichnet, inszenierte 1957 diese britische Horrorproduktion, deren Handlung um einen dämonischen Fluch, dem auf den Grund zu gehen ein notorischer Zweifler gezwungen wird, mich an klassische Gruselcomics erinnert. Tatsächlich fußt das Drehbuch auf britischen Schauermärchen des Autors Montague Rhode James.
Noch in Schwarzweiß gedreht, entpuppt sich „Der Fluch des Dämonen“ als charmanter Beitrag zum Horrorgenre der 1950er, offenbart dank des Regiegeschicks Tourneurs aber Qualitäten, die über die übliche B-Movie-Kost hinausgehen. Tourneur erschuf stimmige, düstere, nebelverhangene Bilder und bewies ein sicheres Händchen für eine fesselnde Dramaturgie, die diese Perle mitsamt ihrer wohldosierten Auftritte des schaurigen Dämons zu einem stilvollen und spannenden Filmerlebnis machen, an dem kein Klassikerfreund vorbeikommt. Sicherlich vermag die Kreatur heutzutage kaum noch wirklich zu schockieren, jedoch wird ihr Erscheinen so sorgfältig vorbereitet, dass die erruptive Wirkung ihrer deutlich sichtbaren Materialisierungen nicht verpufft.
Naturgemäß etwas schwer tue ich mich damit, wenn ein Film wie dieser mit komödiantischen Einlagen aufgelockert werden soll, so auch hier. Den positiven Gesamteindruck dieses Werks, das ich irgendwo zwischen den großen Klassikern und der aus ihnen resultierenden Low-Budget-Dutzendware mit Hang zum Trash einordnen würde (und zwar deutlich näher an den Klassikern), vermag dieser Wermutstropfen aber nicht sonderlich zu schmälern; ebenso wenig der Umstand, dass neben dem von Niall MacGinnis gespielten, geheimnisvollen Dr. Julian Karswell kaum ein Charakter sonderlich Tiefgang besitzt und die übrigen schauspielerischen Leistungen dementsprechend eher unauffällig, aber stets mindestens „solide“ ausfielen.
Leider war ich gezwungen, mir eine geschnittene TV-Fassung, die zudem im falschen Bildformat ausgestrahlt wurde, anzusehen, da es noch immer keine deutsche Heimkinoauswertung gibt. Hallo Labels – aufwachen!