Windy Mind Tricks
Ein vollkommener Klassiker von Insel. Mit einem ikonischen Monster, das aber eigentlich nur ein paar Sekunden insgesamt Screentime hat. Doch das hat gereicht. Mit viel psychologischer, ängstlicher und abergläubischer Tiefe. Weder von Hammer noch von einem anderen großen Studio produziert. Und doch zum Hit und wegweisenden Werk avanciert. Kein Wunder, wenn man weiß, wer da am Steuer war und was dieser Herr Tourneur bereits zwanzig Jahre zuvor für atmosphärisch-psychologische Grundsteingrusler rausgehauen hat („Cat People“, „I Walked With a Zombie“)… In seinem „Night of the Demon“ kommt ein Skeptiker, Experte und Psychologe (im Fach der übernatürlichen Theorien) nach London und muss schnell am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man einen Dämon auf den Fersen hat…
Wenn Bäume reden könnten…
„Der Fluch des Dämonen“ brodelt unter seiner Oberfläche. Mit einem der größten Skeptiker der Filmgeschichte als Hauptfigur im starken Kontrast zu den dämonischen und satanistischen Geschehnissen um ihn herum. Überall ist Spannung, überall ist Konflikt, überall ist Neugier. Auch beim Zuschauer. Für mich geht die Kombi von Tourneurs altem Schattenspielstil und neueren Monsterfeatures ideal auf. Ich will weder auf den ikonischen Dämonenkopf noch auf Tourneurs psychologisch-mehrdeutigen Ansatz verzichten. Und es geht auch Hand in Hand! Obwohl's wie immer Verfechter beider Seiten gibt. Die Runen, der Hexenmeister, der Wald, der Wind, die schwarze Rauchwolke („Lost“ lässt grüßen). Das hat etwas Mystisches, das hat sowohl Okkult- wie Folkhorrorzüge. Das ist Hirn wie Körper. Und ist in seiner Stimmung und seinem Kern seine ganz eigene Fusion aus Klassik und (damaliger) Zukunft. Aberglaube, Psychologie, Magie. Wundervolle Schatten- und Perspektivenspiele - allein die Szene auf dem wabernden Gang des Hotels ist das Eintrittsgeld wert. Der Score kann aufbrausend genauso wie sensibel. Das Love Interest ist tougher und süßer als der Durchschnitt. Das Intro mitsamt erstem Todesfall und Dämonenauftritt ist perfekt und wirft einen unvermittelt ins Geschehen. Das Monster ist wie gesagt ein Glücksgriff und state of the art. Nur echt in der britischen Langfassung. Und so verleiht „Fluch des Dämonen“ billigeren Spukmotiven einen enorm distinguierten, ambitionierten und hochwertigen Anstrich. Kaum ein Zweiter wusste wie Tourneur, dass man auch mit weniger Budget viel aus einem Gänsehautritt herausholen konnte. Mit beschränkten Mitteln massiv was erreichen kann. Man muss nur wissen wie. Und „Fluch des Dämonen“ weiß sowas von wie… Ein Wegbereiter, der immer noch funktioniert und aus keiner gut geführten Gruselsammlung wegzudenken sein sollte!
Fazit: ein britischer B-Movie-Grusler mit A-Movie-Aura… dieser klassische und prachtvoll psychologische Dämonenfluch ist nahezu vollendete Edelklasse!