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Was die Gebrüder Grimm für Deutschland sind, dass könnte Dr. Seuss für die Amerikaner sein, auch wenn dieser noch bei weitem nicht so "alt" ist, wie unsere Märchenonkels! Die Geschichten des Dr. Seuss kennt dort wirklich jedes Kind und auch die Erwachsenen erfreuen sich an den schrullig, liebenswerten Kinderromanen. Hierzulande allerdings sollte Dr. Seuss erst mit der Verfilmung des Weihnachtsmärchens rund um den Grinch bekannt werden. Auch wenn die pompöse Inszenierung nicht jedem zusagte, so konnte vor allem die wunderbare Weihnachtsatmosphäre und ein genialer Jim Carrey für Wohlgefallen sorgen. Mit Dr. Seuss zweiter Geschichte "Ein Kater macht Theater" sollte es allerdings nicht so gut laufen. Im Amerika regelrecht verabscheut und unter die Top 100 der schlechtesten Filme überhaupt gewählt, konnte die ebenfalls grelle Buchverfilmung wirklich kaum einen überzeugen, vor allem weil das Buch dort als eines der schönsten Kinderbücher überhaupt gilt. Hierzulande kann man da zwar schon etwas neutraler und ohne große Erwartungen rangehen, aber unterm Strich ist "Ein Kater..." wirklich eine nervtötende Odysee geworden, die jedem über 12 zum Fluchen bringen dürfte.

Im Grunde ist "The Cat in the Hat" der ideale Film, mit dem Kinder ihre Eltern zum Selbstmord bringen können. Denn einen nervigeren Kinderfilm hat es sicher auf weitem Flur noch nicht gegeben. Dabei ist die Story selbst vielleicht noch am erträglichsten. Es geht im Grunde um zwei langweilige Belger, die eines Tages von einem Kater Besuch kriegen, der ihnen zeigt wie viel Spaß man doch eigentlich haben kann, wenn man nicht ganz so spießig ist. Doch leider treibt es dieser Kater so arg weit, bis das ganze Haus nahezu in Trümmern liegt. Und Mutter ist auch schon nahe, genauso wie der böse Nachbar. Was also tun? Im Grunde ist die Geschichte ein netter Fantasy-Stoff für Kinder, der mit allerlei Schabernack und Quatsch genau das bietet, was Kinder eigentlich gerne haben. Zum Schluss gibt es dann natürlich noch eine gute Moral mit auf den Weg und alles hätte eigentlich so nett werden können. Und für Kinder ist es das sicher auch. Doch Erwachsene werden kreischen!

Denn die Inszenierung des Kater-Films ist, gelinde gesagt, das absolute Grauen. Hier ist alles extrem bunt und so etwas von durchgeknallt, dass man als Erwachsener, schon nach wenigen Minuten, mit dröhnenden Kopfschmerzen gestraft ist. Hier wird auf eine derartig derbe Art gekreischt, gefurzt, zerstört und gerülpst, dass einem fast schon das Würgen kommt. Alles ist hier so etwas von knallig und übertrieben und auf Spaß getrimmt worden, dass man sich die ganze Zeit nur fragt, wann es denn endlich zu Ende ist. Anspruch und Tiefe sucht man hier vergebens. Hier wird einem der Spaß derartig mit dem Holzhammer ins Gehirn gehämmert, dass einem jeder Faschingsumzug wie eine Trauerfeier vorkommt. Und während die Kleinen hier garantiert quicken vor Spaß, dürfte man selbst beinahe schon der Ohnmacht nahe sein, so derartig sinnlos, haarsträubend und abgedreht ist hier das Ganze. Nur die gute Moral am Schluss des Films probiert ein wenig Sinn in das Treiben zu bringen, aber im Grunde wirkt diese dann nur noch aufgedrückt und, nach all dem Schabernack, auch keinesfalls glaubwürdig.

Genauso aufwändig wie schmerzlich sind zudem die Kulissen ausgefallen. Regisseur Bo Welch hat den ganzen Film wirklich in den extremsten Farben gestaltet und lässt alles so aussehen, wie ein kunterbuntes Knallbonbon, dem es aber dennoch an optischer Finesse fehlt. Während der Kulissen-Prunk beim Grinch wirklich wunderbare Stimmung auslösen konnte, so schmerzen einem, von dieser extrem bunten und höchst kitschigen Kulisse, schon bald die Augen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Kostüme der Darsteller, die allesamt ebenfalls mega-grell ausgefallen sind. Ausnahme bildet hier höchstens Mike Myers, der unter seiner Kater-Maskerade, ähnlich wie Jim Carrey beim "Grinch", nicht wieder zu erkennen ist. Aber ob man es beim Rest wirklich so derartig übertreiben musste, ist mir jedenfalls ein Rätsel. Im Sinn von Dr. Seuss war es sicherlich nicht.

Einzige Rettung können da höchstens die Darsteller geben, allen voran die der Kids. Mit Dakota Fanning und Spencer Breslin hat man sich die beiden derzeit besten Kiddie-Darsteller gegriffen, die auch wirklich durchgehend eine optimale Performance abgeben. Dazu ein quietschvergnügter Mike Myers, der einem, Rollenbedingt, zwar schnell auf die Nerven geht, aber spürbar Freude an seiner Figur hatte und sicher auch die beste Wahl des Katers darstellt. Alec Baldwin hätte man dagegen allerdings austauschen können, denn seine Leistung hinkt doch spürbar hinter der seiner Kollegen hinterher. Aber nun gut!

Fazit: Überdimensional grelle und nervtötend ausgefallene Kinderbuchverfilmung, eines der beliebtesten Kinderbücher in den USA. Dieser Film bietet wirklich alles, was Erwachsene an Kinderfilmen so hassen. Grelle Kulissen, knallbunte Effekte und eine Handlungs-Pampe, die so derartig überquillt mit Quatsch und Schabernack, dass kleinere Kinder nur so quicken dürften vor Spaß, während sich ihre Eltern schon längst an der Zimmerdecke aufgehängt haben dürften. Es ist also Vorsicht geboten, wenn man seine Kinder vor diesen Film setzt und nicht weiß, was man derweil sonst noch machen soll! Ich für meinen Teil würde da vielleicht den Grinch schauen!

Dr. Seuss dürfte sich jedenfalls im Grabe rumdrehen.

Wertung: 3/10 Punkte

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