kurz angerissen*
Als Parabel auf die Krisenzeiten nach einem Weltkrieg bedient sich der jugoslawische Film mit dem Rattenmenschen eines eher plakativen Bildes für die Wucherungen unter der Oberfläche einer von Verlusten gebeutelten Gesellschaft. So plakativ wie das gewählte Bild ist die Inszenierung allerdings nicht; dass es sich um einen Horrorfilm handeln möge, wird erst sehr spät und selbst dann nur andeutungsweise klar. Die Kreaturen sind nicht menschenunähnlich genug, um klar und deutlich als Filmmonster bezeichnet zu werden. Vielmehr kennzeichnen sie sich durch rattenhafte Gesichtszüge und ein ebensolches Verhalten hinter einer Fassade der fröhlichen Gemeinschaftsbildung.
Wie Ivica Vidovi? im langen Mantel durch die tschechischen Kriegsruinen streift und Türen aufstößt, um unvorstellbare Geheimnisse zu bergen, hat etwas von den paranoiden Filmen Roman Polanskis in den 60er und 70er Jahren; wenn eine der Kreaturen auf den gerade entdeckten Schnüffler zeigt und seine Artgenossen auf ihn aufmerksam macht, ist aber auch der Invasionsfilm der 50er nicht mehr fern („Invasion Of The Body Snatchers“). Trostlose, spröde Farbfilter fangen die Nachkriegsstimmung gekonnt ein, die durchaus eindrucksvollen Sets zeigen meist verwüstete Schauplätze, die für große Menschenmengen konzipiert sind, sich hier jedoch meistens als menschenleer erweisen – es sei denn, die Rattenmenschen kriechen in der Nacht aus ihren Löchern und verwandeln die Lokalitäten in bizarre, unwirkliche Feste.
Dass die Lösung des „Rattenproblems“ in die Entwicklung eines „Anti-Ratten-Sprays“ mündet, passt dann wieder zur fabelartigen Prämisse - die Mad-Scientist-Elemente verdeutlichen in gewisser Weise die Sehnsucht nach einer einfachen Lösung eines in der Realität höchst komplizierten Sachverhalts. Diese ungewöhnliche Mischung aus Subtilität und ungehemmter Auslebung klassischer Horrorfilm-Motive lässt den „Rattengott“ für Freunde des originellen Trash und des historischen Creature Features ebenso interessant erscheinen wie für jene, die politische Parabeln wie „Animal Farm“ und politische Thriller wie „Die Unbestechlichen“ schätzen.
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