Faultiere sind in der Regel chillige Dudes, die es zu keiner Zeit eilig haben und mehrheitlich abhängen. In diesem Zusammenhang liegt ein handelsüblicher Slasher nicht gerade nahe, was „Slotherhouse“ automatisch von der Masse üblicher Genrevertreter abhebt.
Im letzten Jahr an der Schule würde Emily gerne den Vorsitz der hiesigen Schwesternschaft übernehmen, doch ihre Konkurrentin Brie kämpft mit harten Bandagen. Da gelangt sie über Umwege an das Faultierweibchen Alpha, welches sogleich zum Maskottchen der Schule avanciert und Emily in ihrer Beliebtheit rasch steigen lässt. Doch Alpha entdeckt ihre mörderische Ader…
Den vermummten Killer an der Schule kennt man zu Genüge und auch diverse Tiere wurden bereits im Lehrgebäude gesichtet und gefürchtet. Da das Faultier im Allgemeinen für einen solchen Part nicht prädestiniert ist, eignet es sich hervorragend als Jäger, der äußerst lernfähig ist. Er kann sich per Mausklicks Bilder ansehen, problemlos einen Sportwagen fahren (obgleich die Beine kaum die Pedale berühren dürften und der Kopf nicht ganz über das Lenkrad reicht), während es Alltagsgegenstände zweckentfremdet, vorzugsweise jedoch die drei Krallen/Finger als natürliche Waffe einsetzt.
In Szene gesetzt ist die überwiegend knuffig anmutende Kreatur mit einer beweglichen Puppe, was entsprechend ohne CGI auskommt und angenehm bodenständig anmutet. Zwar sind die Bewegungsabläufe arg reduziert ausgefallen, doch die Mimik ist stets auf den Punkt und nicht selten treten Parallelen zu Gremlins auf, spätestens bei etwaigen Konfrontationen.
Das Drumherum ist hingegen eher weniger ansprechend. Es geht um klischeebeladene Machtkämpfe und Intrigen innerhalb der Schwesternschaft, doch glücklicherweise wird anbei thematisiert, dass Wildtiere nichts außerhalb ihres Lebensraums zu suchen haben und erst recht nicht irgendwelchen Posern als Vorlage irgendwelcher Klicks dienen sollten. Dies wird teilweise mit einem Augenzwinkern quittiert, denn Alpha entwickelt einen morbiden Hang zu Selfies, wogegen das eigentliche Abschlachten etwas sparsam in Szene gesetzt und nicht für reine Splatterfans geeignet ist. Die wenigen blutigen Einlagen sind immerhin ebenfalls handgemacht.
Letztlich punktet der Humor nicht immer, manche Situationskomik wirkt regelrecht altbacken, doch Szenen mit dem Faultier erheitern in den meisten Fällen und auch ein Großteil der Mimen performt okay und zuweilen mit angemessener Selbstironie. Ferner ist der Score recht gut und effektiv abgestimmt, primär die Passagen rund um Panama sind überaus gelungen.
Für den ganz großen Wurf reicht es am Ende leider nicht, denn dafür fällt das Treiben nicht blutig und garstig genug aus, während die Figuren zu wenig Interesse schüren, um für entsprechendes Mitfiebern zu sorgen. Das Alphatier ist hingegen eine nette Abwechslung unter den tierischen Killern, während das flotte Tempo immerhin nur wenige minimale Durchhänger zulässt.
6 von 10