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Johannisbeersauce ist das nicht!

Nachdem Eli Roth u.a. mit „Hostel“ die Torture Porn-Welle zum Überschwappen gebracht hat und mit „The Green Inferno“ mutig-antimainstreamig das Kannibalenkino in die Neuzeit holte, kommt nun ein waschechter Slasher. Der aussieht wie die neuen „Scream“ - sich aber eher anfühlt wie „Slaughterhouse“, „The Burning“, „The Prowler“ oder andere 80er-Schlitzer, die wir Freaks finden, feiern und verehren. Und das passt so. Kompromisslos und nischig schlitzt sich hier ein Feiertagskiller durch eine amerikanische Kleinstadt, weil dort vor einem Jahr in einem „Walmart“-Verschnitt eine gierige Massenpanik zu einigen Toten geführt hat und die scheinheilige Kapitalismushochburg nun scheinbar einfach „weiter so“ machen will… 

„Thanksgiving“ ist ein purer, stupider Slasher. Von einem Fan für Fans dieses Subgenres. Und das ist gut so. Der Rest wird abgestoßen und außen vor gelassen. Wer hier sympathische Figuren oder clevere Wendungen erwartet liegt völlig falsch, kann nur enttäuscht werden. Roth ist ganz in seinem Element und wesentlich garstiger und schwarzhumoriger als das Gro an modernen Slashern. Die neueren „Scream“ inklusive. Das hier kommt vom Geist aus den klebrigeren und bescheuerteren Ecken des Bahnhofskinos - und auch das ist genau richtig. Allein das Finale am gut gedeckten Tisch ist das Eintrittsgeld wert und könnte auch aus dem originalen „Muttertag“ kommen. Schade, dass es der berühmte und vielversprechende „Trampolinkill“ aus dem ursprünglichen Trailer nur massiv entschärft in den finalen Film geschafft hat. Der Killer ist jetzt auch nicht allzu lange ein Geheimnis oder einfallsreich. Aber ansonsten liefert „Thanksgiving“ genau in den Belangen ab, die man sehen will. Handgemachte Gore, augenzwinkernde Abartigkeiten, eine Kleinstadt in Panik. Vielleicht geht er ein wenig zu lange. Kein Slasher muss dermaßen weit über 90 Minuten gehen. Aber langweilig wurd's mir nie. Ein Videonasty mit heutigen Mitteln. Eine Parade der Perversitäten. Einst Index, nun nur noch Igitt. Es wird zerstückelt, aufgespießt und aufgetischt - und ich habe mich als ausgehungerter Slasherfan kurzweilig und kotztütenreif sattessen können. Sicher nicht der beste „lange Grindhouse-Faketrailer-Film“ - auf „Hobo With a Shotgun“ lasse ich nichts kommen. Dennoch ist „Thanksgiving“ eine fette und fiese Slashersau - und nochmal: das ist gut so! 

Fazit: Von einem Slasherfan für uns Slasherfans. Elli Roth liefert blutig und bösartig ab - zum Glück ist „Thanksgiving“ näher an sowas wie „The Mutilator“ als an „Scream“. Auch ohne Filmrisse und Bildfehler ein fein grindhousiger Rückwurf in ungeniertere Schlitzerzeiten! Wer mit dem Subgenre nichts anfangen kann, zieht deutlich Punkte ab. 

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