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Paul Matthews ist ein eher unauffälliger Typ. Der Uniprofessor gerät aber zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als er vermehrt in den Träumen wildfremder Menschen auftaucht. Auch in diesen glänzt er zunächst mit Passivität, doch wenden sich die Dinge in diesem von Kristoffer Borgli geschriebenen und inszenierten Film bald und das erst gefeierte Phänomen entwickelt sich zu einem Albtraum für alle Beteiligten. Bis dahin nimmt der Genremix aber eine lange Kurve, lädt die interessante Grundidee erst ganz im Sinne der im Hintergrund schlummernden Aussagen auf, um sie dann abstürzen zu lassen.

Paul ist von dem Ruhm, der ihm zuteil wird, überrascht und sieht darin auch eine Chance, denn der Prof ist eine von Unsicherheit durchzogene Figur mit den entsprechenden Ausprägungen. Und auf diese prallen die öffentliche Wahrnehmung, die Follower, der Ruhm – und eben die Schattenseiten. Diese brechen sich natürlich bald Bahn, die Wendung ist vorhersehbar, aber „Dream Scenario“ lebt von der Grundidee und bietet in seinen Abschnitten manch gelungene Spitze. Der Bezug zu den Sozialen Medien, der Ausgrenzung, dem Druck des Publikums und der Verantwortlichkeit außerhalb der eigenen Verantwortung – Borgli jongliert mit diesen Themen recht klar und lässt Paul Schritt für Schritt in den Abgrund waten. Dies wird mit zunehmender Spielzeit nur unangenehmer und mag auch wütend machen ob der Irrationalität, mit der die Masse dem Phänomen begegnet. Letztlich bildet der Film damit aber die Realität ab, bedient sich nur eben einer irrealen Metapher.

Wie gemacht für Nicolas Cage, der zwar immer auch Cage bleibt, seinem Paul aber mit zunehmender Laufzeit einige Facetten mitgeben darf und mit einem abwechslungsreichen Spiel aufwartet. Daneben Julianne Nicholson oder Michael Cera, wobei neben Cage das Ensemble zwar gut, aber eben auch immer auf ihn ausgerichtet ist, was bei der Geschichte aber inszenatorisch durchaus Sinn ergibt. Es bleibt Cages Film und diese Aufgabe meistert er hier. Auch weil er mal wieder zeigt, wie gut er sein kann, wenn er sich zurücknimmt.

Die Betrachtung des Ruhms gerade im Hinblick auf (auch) schnelllebige Phänomene ist hier eine Ebene, die sich nach wohlwollendem Beginn bis hin ins Unangenehme wandelt. So ist irgendwann alles der blanke Horror – bis man diesen kommerzialisieren kann. Vermarktung und die Irrationalität der darüber gebietenden Gesellschaft, „Dream Scenario“ macht ein paar Fässer auf, handelt diese mehr oder minder solide ab und Cage darf mal wieder eine Tour machen durch die Hochs und Tiefs, wenn auch für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltend. Erzählerisch überspannt Borgli den Bogen irgendwann auch gewollt, ein adäquates Tempo kann er nicht über die gesamte Laufzeit halten und holt auch lange nicht alles aus dem Szenario raus. Dennoch eine sehenswerte Aufarbeitung, eine Geschichte ohne Helden.

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