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Die Erbinnen Bergmans

Ein paar der besten Netflixfilme überhaupt sind oberflächlich betrachtet „karge“, etwas arthousige Dramen, die in ihren Releasejahren zu unrecht und aus vielerlei Gründen ziemlich bis komplett untergegangen sind. Leider sprechen über solche emotionalen Kracher wie „Private Life“, „Marriage Story“ oder „Paddleton“ bis heute viel zu wenig Leute. Doch so lange es Netflix gibt, werden sie dort zu finden sein - also ran an den anspruchsvollen, aber lohnenswerten Filmspeck! Und genau in diese Reihe stellt sich in diesem Jahr „His Three Daughters“, ein tragikomisches Meisterwerk in bergman'scher Tradition und doch kein Stück eingestaubt, altbacken, sperrig, überlang oder trocken. Ganz im Gegenteil. Schlicht ein Must-See des Filmjahres, ohne Wenn und Aber. Erzählt wird von einem im Sterben liegenden Vater - und seinen drei mehr oder weniger am Sterbebett zusammenkommenden, massiv unterschiedlichen Töchtern, ihrem Umgang mit seinem Tod und miteinander… 

Drei Seiten einer Papadaille

Ein Weinfilm. Ein Todesfilm. Ein Weinfilm. Ein Schwesternfilm. Ein Lachfilm. Ein Trauerfilm. Ein Weisheitsfilm. „His Three Daughters“ ist genau das Gegenteil von einfach zu verdauender, massentauglicher Netflixstangenware. Und doch kein reiner, grauer Oscarsucher. Nein, Azazel Jacobs vielschichtiges „Todesbettdrama“ ist so so so viel mehr als das. Er ist viel lustiger, viel lockerer, viel eleganter als man sich in seinen kühneren Träumen ausmalt. Die drei Ladies ergänzen sich grandios und jede der Damen liefert kompromisslos ab. Eigentlich sollte es für alle drei massig Nominierungen regnen. Selten sahen Einrichtung, Wände und Stilgemälde feiner und texturreicher aus. Bergman, Altman, alle Mann wären stolz auf diesen gar nicht allzu tristen Brecher. Jeder geht anders mit Verlust, Tod und Trauer um - mit diesem sensationellen Drama sollten aber alle gleich umgehen. Und zwar voller Respekt und Bewunderung. Natasha Lyonne ist einen weiten Weg seit „American Pie“ gekommen…

Streiten, Weinen, Keifen, Kiffen

Fazit: drei geniale Frauen, ein prekäres Thema, eines der besten Dramen des Jahres. Klassisch und kompetent. Traurig, komisch, nachvollziehbar. Ein ungenierter Tränendrücker ohne Abzüge oder Vorbehalte. Aber auch viel mehr als das. Absolut befriedigend!

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