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Nachdem die Langstreckenschwimmerin Diana Nyad mit einigen Leistungen wie dem Umschwimmen der Insel Manhattan Aufsehen erregt hat, stellt sie sich ihrer größten Herausforderung. Sie plant, von Kuba nach Florida zu schwimmen. Ende der siebziger Jahre scheitert ein erster Versuch, doch lässt sie der Gedanke nicht los. Und so startet sie Jahrzehnte später erneut.

Da es zu mehreren Versuchen kam, dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen und der Film auch auf alle eingeht, bleibt dann für die entscheidende letzte Unternehmung weniger Zeit. So ist das dann letzte Mal durch die Wiederholung des Szenarios nicht mehr ganz so packend und leidet eben auch unter dem Zeitmangel. Dennoch ist dies wie die vorigen Versuche visuell ansprechend eingefangen. Gedreht wurde in und vor der Dominikanischen Republik, das Meer wirkt weit und immer wieder lässt sich die Kamera auf Totalen ein, die einfach ein sehr einnehmender Anblick sind.

Der von Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin inszenierte Film kümmert sich auch um die Spannungen, die von dem Unternehmen und auch von Diana ausgehen. Ihre Besessenheit steht auch mal im Weg, die Wurzeln dessen werden ebenso angerissen wie ein im Jugendalter liegender Missbrauch. Die Rückblenden wirken dabei fragmentarisch und sind in ihrer Kürze für den Rest des Films zu unprominent eingewoben, als dass sie in meinen Augen einen entscheidenden Mehrwert zur Figurenzeichnung leisten. Es sind Anmerkungen, die sich dazu auch stilistisch stark vom Rest abgrenzen.
Interessanter ist da das Zwischenmenschliche in der filmischen Jetztzeit, in der Dianas Tatendrang vieles mitreißt - und das nicht nur positiv. Dieser unbändige Drang in ihr als Lebensinhalt sorgt für Spannungen, insbesondere mit ihrer Freundin Bonnie.

Und so sind es auch Annette Bening als Diana und Jodie Foster als Bonnie, die den Film am Leben und in Bewegung halten, an Land oder im Wasser. Beide spielen stark, Rhys Ifans als John Bartlett tut es ihnen gleich, dieses Trio mag darstellerisch begeistern.
Dem gesamten Werk an sich würde ich dieses Prädikat nicht anhaften wollen. Dazu ist es letztlich zu formelhaft und insgesamt auch wenig dramatisch. „Nyad“ konzentriert sich überwiegend darauf, die der Seherfahrung mitgegebene leichte Note zu kultivieren. Das macht das eigentlich mitreißende Szenario leichter konsumierbar, raubt ihm aber auch einiges an Griffigkeit. Nur ein Ärgernis am Rande, aber die Neonschrift für diverse Einblendungen sollte man beim Einsatz doch auf den jeweiligen Hintergrund abstimmen. Auch kann etwas Recherche über die Dramatisierung mancher Ereignisse hier die Erfahrung beeinflussen, aber das ist bei jedem Film der Fall, der auf wahren Ereignissen basiert.

Bleibt man also bei der rein filmischen Bewertung, ist „Nyad“ ein durchaus sehenswerter Beitrag zum ich-verfolge-meinen-Traum-Genre, dem mehr dramaturgische Finesse aber nicht geschadet hätte. Nicht, dass es hier nicht auch mal ernst und bedrohlich wird, auf das Unterfangen bezogen hätte es aber noch etwas mehr sein dürfen. Gerade, wie die Inszenierung die zeitlichen Rahmen für die einzelnen Episoden aufteilt, zahlt sich am Ende nicht so recht aus. Bening und Foster bleiben so neben der Grundidee das Sehenswerteste.

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