Review

Häutung & Haaresbreite

„Reptile“ ist einer der selteneren Netflix-Exclusives, die ihr Ziel treffen. Vielleicht nicht Bullseye, aber sehr nahe dran. Für Krimi-Fans ein Gourmettitel. Stilvoll und verzwickt. Langsam aber intensiv. Brutale Soundkulisse. Mit Kopfhörern ein brutales Erlebnis… Erzählt wird die meiste Zeit unter hoher Anspannung, mit etlichen roten Heringen und mit richtig ungemütlicher Atmosphäre von einem bestialischen Mordfall an einer reichen Frau im Immobilienbusiness, bei dem es einige Verdächtige gibt und der schnell größere, mysteriösere Kreise zieht, vor allem für die beiden Ermittler ebenfalls mit grauer Hintergrundgeschichte…

Das Schweigen der Männer

Anspannung, Erwartung, Angst und untergründiges Zittern, Wabern, Kribbeln aufbauen - das ist eine der entscheidenden Meisterklassen beim Filmemachen. Nolan kann das in seinen besten Phasen wie kaum ein Zweiter, Jeremy Saulnier ebenfalls (z.B. letztens erst mit „Rebel Ridge“ auch auf Netflix) oder „It Follows“ und „Longlegs“ haben das im Horrorgenre in jüngerer Vergangenheit sehr gut gemacht. Und genau das kann eben auch „Reptile“. Von seiner Auftaktszene an. Was für einen klassischen Polizeikrimi zwischen „True Detective“ und Fincher doch ziemlich stark und überraschend kommt. Ich hatte den Killer definitiv nicht direkt raus, geschweige denn seine Beweggründe. Hier könnte es aber auch wirklich fast jeder sein auf dem Bildschirm. Ich mag den körnigen Look, der alles anders als glatt und nach Netflix ausschaut. Der Score wabert und brummt passend und unterstützend zum Geschehen. Del Toro war elendig lange nicht mehr auf diesem Niveau - er ist hier gigantisch gut! Man sieht nicht mehr Del Toro. Neben ihm wirkt Timberlake leider nochmal künstlicher und steifer. Aber das würde wahrscheinlich jeder. Die Themen und Eindrücke sind düster, alles ist abgedunkelt und grau-bräunlich. Noir’ische Vibes. Menschlichkeit und Hoffnung werden von Viertelstunde zu Viertelstunde mehr herausgesaugt. Ein Gänsehautgurgelgrabscher. Nicht perfekt und vielleicht etwas aufgebauscht und künstlich labyrinthisch. Doch für einen Debütlangfilm ist das alles noch beeindruckender. Selbstbewusst und stilsicher. Teils verstörend und gemein. Undurchsichtig und zielsicher. Grant Singer sollte man sich definitiv merken!

Beissspuren & Bittsteller

Fazit: fiese Atmosphäre, schmierige Typen, zwielichtige Bruchbuden, shady Cops, Verdächtige überall, teuflisches Augenzwinkern, griffiger Look, nicht zu mainstream… einer der besten Thriller von/auf Netflix! 

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