Review

"Reptile" war für mich DIE Überraschung im letzten Jahr und auch der beste Film, den ich 2023 gesehen habe. Warum eigentlich? Was macht diese besondere Faszination aus?

Zunächst folgen wir einer normalen Krimihandlung. Ein Mord, mehrere Verdächtige, ein neuer Ermittler in der Kleinstadt. Alles plätschert so vor sich hin, es gibt keine Highlights, mehrere Spuren führen ins Nichts, andere bleiben zunächst ergebnislos. Absolut durchschnittliche Krimikost, wie sie auch einem Fernseh-Tatort entspringen könnte. Auch visuell nichts besonderes. Und zugegeben, in der ersten Stunde zieht sich die Handlung dann doch etwas zu sehr, ist fast schon zäh wie Kaugummi. Der Fall wird dann auch bald abgeschlossen und man fragt sich, was denn da noch passieren soll.

Dranbleiben! Es loht sich! Denn plötzlich springt einem ein winziges Detail ins Auge. Man ist verwundert, aber schon erscheint alles in einem neuen völlig unerwarteten Licht. Und jetzt fängt der Film erst richtig an. Einer dieser Streifen, in dem plötzlich alles auf den Kopf gestellt wird. Dabei ist nicht die Krimihandlung an sich das, was den Film auszeichnet, sondern der subtile Spannungsaufbau, der den weiteren Fortgang bestimmt. Man hätte den Film auch "Mißtrauen - Der Film" nennen können. Denn Mißtrauen ist ab nun das bestimmende Thema des Films. Ein Paranoia-Thriller allererster Sahne.

Aber nicht nur Paranoia bestimmt den Film, am Ende lässt man seinen Emotionen freien Lauf, musikalisch genial untermalt.

Wer sich auf Arthouse-Krimi einstellen kann, den erwartet hier nichts anderes als ein Meisterwerk!

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