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Am 28. August 1963 versammelten sich in Washington D. C. über 200.000 Menschen zu einem friedlichen Protest gegen die Diskriminierung der dunkelhäutigen Bevölkerung. Diese Veranstaltung, bei der auch Martin Luther Kings Rede „I Have a Dream“ zu hören war, erlangte große symbolische Bedeutung, die Organisation all dessen war ein in nur wenigen Wochen durchgeführter Kraftakt.
Eine treibende Persönlichkeit dahinter war der Bürgerrechtler Bayard Rustin. Überwiegend den Lebensabschnitt rund um die Vorbereitungen der oben genannten Versammlung betrachtend, nimmt sich der von George C. Wolfe inszenierte Film dieser Person an.

Ergo hat man es mit einem typischen Vertreter des Genres Biopic zu tun, welches erzählerisch recht konventionell gestrickt ist. Wolfe folgt der Titelfigur durch die Höhen und Tiefen in den Wochen vor dem „March on Washington“ und verwebt dies mit privaten Ereignissen. Auch Bayards Homosexualität wird dabei thematisiert, was in der damaligen Zeit noch weit problematischer war. Dazu kommen die Widerstände von außen, aber eben auch von innen, welche die Planung verkomplizieren. Und hier gerät Wolfes Film dann immer wieder in das Schema Fortschritt, Rückschlag, Fortschritt, Rückschlag. Wobei die Auflösungen recht zügig folgen, was das Werk insgesamt weniger dramatisch wirken lässt, als man es bei der Thematik und dem Hergang hätte erwarten können.Dennoch bietet sich hier manch starke Szene. Das liegt unter anderem an dem vordergründig behandelten Thema der Ungerechtigkeit, welches aber auffallend zurückhaltend bebildert wird. Hier mal eine Rückblende, dort mal ein Beitrag im Fernsehen. Es mutet merkwürdig an, dass die Motivation, die zu diesem massiven öffentlichen Aufbegehren geführt hat, filmisch so stiefmütterlich behandelt wird.
Eindrücklicher ist da Colman Domingo als Bayard Rustin, der seine Positionen eloquent und charismatisch vermittelt. Seine Darstellung ist mit das Sehenswerteste hier und mit ihm steht oder fällt das Ganze, dreht sich das Ganze schließlich doch um ihn. Daneben tauchen noch CCH Pounder oder Jeffrey Wright auf, dazu ein auf alt getrimmter Chris Rock, der trotzdem immer Chris Rock bleibt.

So eine Massenveranstaltung und die dem Zeitabschnitt geschuldete Verjüngungskur der Szenerie geht heute nun einmal mit massig CGI einher und so ist es auch hier. Ebenso ist der Rest vom Bild eher in modernem Ton gehalten mitsamt der Farbgebung, wie es für den Streaminganbieter Standard ist. Also eine uninspirierte Kameraarbeit und ebensolche Präsentation. Musikalisch passt es während des Films mit Jazz, Gospel, Rhythm and Blues, im Abspann bekommt man dann aber modernere Arrangements, was wie ein Fremdkörper wirkt. Verstehe solche Entscheidungen wer will, für mein Empfinden ist das immer ein Bruch innerhalb eines nach Kohärenz strebenden Werks.

Der Einblick in das Leben von Bayard Rustin ist ein interessanter Ausschnitt, der mit dem „March on Washington“ auf ein großes Ereignis der damaligen Bürgerrechtsbewegung in den USA zusteuert. Dabei steht die Figur des Mitorganisators verständlicherweise im Mittelpunkt, blendet mir die gesellschaftlichen Hintergründe aber doch zu sehr aus. Auch ist die Inszenierung recht 08/15, ein sehenswertes Spiel von Colman Domingo in der Titelrolle rechtfertigen bei Interesse an der Geschichte eine Sichtung aber durchaus.

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