iHaveCNit: Sing Sing (2025) – Greg Kwedar – Weltkino
Deutscher Kinostart: 27.02.2025
gesehen am 09.03.2025
Cineplex Wiesbaden – Apollo Kinocenter – Gamma – Reihe 5, Platz 1 – 12:15 Uhr
John „Divine G“ Withfield ist schon sehr lange im Hochsicherheitsgefängnis „Sing Sing“ inhaftiert. Dort ist er Teil einer Theatergruppe und auch für einen Teil der kreativen Umsetzung zuständig. Nach dem erfolgreichen Projekt „Der Sommernachtstraum“ ist ein neues Projekt geplant, bei dem für „Divine G“ nicht nur neu in die Gruppe gekommener „Divine Eye“ für Konflikte sorgt, auch seine Gesuche auf vorzeitige Entlassung und die Freundschaft zu einem weiteren Mithäftling stellen John vor Herausforderungen.
Es gibt und gab in der Vergangenheit schon einige Filme über Rehabilitations- und Resozialisierungsprogramme in Gefängnissen. Zuletzt fällt mir da vor allem die von Emmanuel Courcol inszenierte, französische Komödie „Ein Triumph“ ein, der auf wahren Begebenheiten aus Schweden basiert. Konzipiert als französische Feelgood-Komödie war das ganze zwar unterhaltsam, berührend, aber auch ein wenig oberflächlich und hat die Tragik der Situation ein wenig vermissen lassen. Für ein thematisches Doppelpack ist „Ein Triumph“ aber durchaus auch sehenswert in Kombination mit „Sing Sing“ und da bin ich nicht der einzige, der irgendwie bei „Sing Sing“ an den französischen Film denken musste. Aber beide Filme haben andere tatsächliche Begebenheiten, auf denen sie basieren. Das, was „Sing Sing“ hier ein wenig spezieller macht ist, dass er nicht nur teilweise am Originalschauplatz gedreht wurde, sondern auch ehemalige Häftlinge von dort und Teilnehmer der Theatergruppe ihre Rollen von damals im Film verkörpern. Das gibt dem Film etwas Rohes, Bodenständiges und Authentisches. Ein Wort, dass mir nach dem Film inmitten der doch sehr kreativen, philosophischen, poetischen und berührenden Note des Films in den Sinn gekommen ist, ist „Eskapismus“. „Eskapismus“ hat hier sehr viele Bedeutungen. Die Flucht in den kreativen Prozess. Die Flucht aus dem Gefängnis. Die Flucht wieder zu sich selbst. Und auch dem Vertrauen in diesen Prozess. Und dass man hier Colman Domingo in der letzten Awardsaison durchgehend mit Nominierungen gewürdigt hat, ist absolut gerechtfertigt, denn seine nuancierte, vielschichtige Performance hat mir sehr gut gefallen.
„Sing Sing“ - My First Look – 9/10 Punkte