iHaveCNit: The Holdovers (2024) – Alexander Payne – Universal
Deutscher Kinostart: 25.01.2024
gesehen am 27.12.2023 in der Spotlight-Sneak OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr
gesehen am 10.02.2024
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Studio – Reihe 3, Platz 1 – 20:50 Uhr
Bevor ich filmisch im Kino für mich den Monat Januar 2024 abschließe gibt es noch einen Film, der übrig geblieben ist. Als letztes „Überbleibsel“, wenn man es so sagen möchte. Denn die englische Übersetzung dieses Begriffs „Überbleibsel“ ist „Holdover“, den ich auch frei für mich selbst als Platzhalter interpretiert habe. Ein Platzhalter in dem Sinne, dass ich diesen Film bereits Ende letzten Jahres in der absolut passenden Saison in einer Sneak gesehen habe, dieser Film direkt auf Platz 1 für 2024 geschossen ist, aber tragischerweise nur ein Platzhalter bleibt für noch größere Filmtitel, die an ihm vorbeischießen können. Genauso tragisch ist es auch, dass „The Holdovers“ leider keine Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum in der Weihnachtszeit 2023 bekommen hat, denn da gehört er eigentlich absolut hin. „The Holdovers“ wird sich dennoch für Liebhaber von Weihnachtsklassikern absolut in die Riege von Filmklassikern einordnen, die man sich gerne an den Feiertagen auch jährlich ansehen wird.
1970: Im privaten Jungeninternat Barton Academy in Neuengland werden reiche privilegierte Kotzbrocken von reichen privilegierten Kotzbrocken unterrichtet. Doch sowohl der griesgrämige, unsympathische, strenge Professor Paul Hunham als auch der sehr trotzige, unruhige, talentierte Angus Tully scheinen wie Fremdkörper in der Schule zu wirken. Wie jedes Jahr gehen die Schüler und Lehrer über die Weihnachtsfeiertage zu ihren Familien. Nur ein kleiner Kreis der Schüler, der nicht zu den Familien kann, muss die Feiertage im Internat verbringen. Von diesen Schülern wird am Ende nur Angus übrig bleiben, der sich mit der als Aufsichtsperson beauftragten Lehrkraft Hunham rumschlagen muss. Ohne zu ahnen, welche Wirkung die gemeinsame Zeit, in der auch die um ihren im Vietnamkrieg verschollen Sohn trauernde Küchenchefin der Internatskantine Mary Lamb auf das ungleiche Trio trifft, auf Ebenselbiges haben wird.
Wenn es für mich um das filmische Werk von Alexander Payne geht, habe ich das bisher nur sehr stiefmütterlich behandelt. Klar habe ich vor einigen Jahren „Downsizing“ gesehen und vielleicht auch sehr dunkel sehr viel früher auch „Election“, aber sonst ist Payne bei mir ein unbeschriebenes Blatt, womit ich auch unvoreingenommen „The Holdovers“ sehen konnte, der genau die Antwort darauf liefert, welchen Film man von Alexander Payne sehen sollte. „The Holdovers“ ist zum einen „Nostalgy done right“ in einem unfassbaren Detailreichtum der Sets, der Kostüme, des historisch eingebetteten Kontexts und auch der Filmkörnung und der Wärme, die bei den eingefangenen Bildern auch noch weiter passend die Atmosphäre unterstützt. Ein typisches Phänomen, was ich gerne bei einigen Kritikern und Zuschauern höre ist das Argument, „dass in Film XY doch nichts passiert“. Ich halte dieses Argument oder diese allgemeine These für grundsätzlich falsch, selbst wenn in einem Film sich einfach nur Person A mit Person B unterhält, passiert doch genau das, so dass in jedem Film etwas passiert. Man muss nur genau hinsehen und hinhören. Dieses Argument und diese These könnte man ja auch bei „The Holdovers“ anbringen, es würde ja in diesem Film nichts passieren, aber da würden alle die dieses Argument liefern in meinen Augen falsch liegen. Denn bei diesen gemeinsam verbrachten Feiertagen vor, während und nach Weihnachten bishin zum Jahreswechsel passiert genug Großartiges, Warmherziges und auch das ein oder andere Tragische. Mit einem so feinen zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Gespür nähern wir uns ähnlich wie das Trio untereinander dem Trio an und lernen dabei Schritt für Schritt immer mehr sowohl Paul Giamattis Paul Hunham, Dominic Sessas Angus Tully und Da´Vine Joy Randolphs Mary Lamb kennen, entwickeln ein tieferes Verständnis für vor allem die Eigenarten von Paul und Angus und ein sich daraus entwickelnder Zusammenhalt und gar Freundschaft. Das macht den Film bei all den durchaus intelligenten philosophischen und teils auch unterhaltsam schlagfertigen Dialogen so unglaublich warmherzig. Das ist von den drei Darstellern so großartig gespielt, dass ich ihnen alle bereits gewonnen und noch ausstehenden Preise gönne und dem Film großen Erfolg dabei wünsche. Mich hat dieses kleine und feine Meisterwerk blendend unterhalten und es konnte mich auch zu Tränen rühren. Nicht zu vergessen die tolle Stimmung, die ich in beiden Kinovorstellungen mitnehmen konnte und die beide Beweis genug sind, dass ich mit dieser Meinung nicht allein stehen werde, wenn ich „The Holdovers“ mit meiner Höchstwertung belohne.
"The Holdovers" – My Second Look – 10/10 Punkte