Ein direkter Winterklassiker
Nachdem Alexander Payne mit dem im besten Fall verkannten, im schlimmsten Fall verplanten „Downsizing“ eigentlich auf dem absteigenden Ast war, schafft er mit „The Holdovers“ einen der besten Filme seines Jahrgangs und mehr als nur eine Kehrtwende oder Rückkehr in glorreiche „Sideways“-Zeiten. Für mich ist das ein intelligenter, aufrichtiger und verschneiter, gefühlvoller und vollkommen zeitloser (!) Klassiker für die Weihnachtszeit. Kein Deut weniger. Wir folgen hier in den frühen 70ern einem unbeliebten, strengen und doch herzensguten Collegeprofessor, der zusammen mit einer Handvoll bunt gemischter Schüler über die Feiertage im Eliteinternat die Stellung halten muss, wodurch sich eine kleine, unwahrscheinliche Allianz bildet…
Alexander Paynes bisher feinste Stunde!
Nach wirklich guten Filmen ist die Welt nicht mehr dieselbe wie vorher. Und nach „The Holdovers“ ist die Welt definitiv eine bessere, wärmere, positivere, hoffnungsvollere. Was für ein toller Film! Mehr als nur ein Feelgoodfest. Viel viel mehr, viel viel tiefer, viel viel weiser. Ich war durchgehend und ab Minute eins fasziniert vom und fixiert auf das Geschehen - dabei passiert eigentlich recht wenig. Und dennoch konnte und wollte ich meine Augen nicht ablassen. Die Figuren gingen mir allesamt nah. So nah, dass mir öfters die Tränen kamen. Manchmal einfach, weil das, was ich da sah, sich so warm und gut angefühlt hat. Da musste gar nichts allzu Trauriges passieren. Ich war voll drin. Lachen, weinen, staunen, raunen, träumen. Kinomagie eben. Das zugeschneite Setting ist gerade aktuell ja sehr willkommen und passend, wirkt hier immer echt. Den Charakteren gönnt man absolut, auch nach dem Abspann noch, nur das Beste. Payne legt zudem einen edlen Soundtrack auf und lässt den Look, die Textur, das Feeling, die (positiv gemächliche) Geschwindigkeit dieser Epoche grandios wiederauferstehen. Wer „The Holdovers“ im letzten Winter also verpasst hat, wie ich - unbedingt diesen Winter damit pimpen und verschönern. Niemand, absolut NIEMAND, wird es bereuen ihn angeschaltet oder gar ihn sich in die Sammlung gestellt zu haben. Der Wiederspielwert wird noch steigen. Sein Ansehen ebenso. „The Holdovers“ nicht zu mögen ist unmöglich. Und bei mir ist’s halt nochmal deutlich mehr als Mögen. Ich habe mich in diesen Ferienfeenstaub verliebt. Das gebe ich ungeniert zu. Auch weil Giamatti, der eh immer stark ist, hier vielleicht die beste Performance seiner Karriere hinlegt. Eine für die Ewigkeit. Und das sollte dann selbst den Letzten eigentlich noch überzeugen. Gönnt ihn euch und eurem grinchigen Herzen - ihr werdet’s wie gesagt nicht bereuen!
Fazit: stilvoll, klassisch, understatet, schauspielerisch und charakterlich einwandfrei, voller Schnee und Witz, Raffinesse und Cleverness, Stil und Manieren, Herz und Seele. Einen besseren Film für den Dezember als „The Holdovers“ muss man mit der Lupe suchen. Ein Glücksgriff!