Die Selbstsicherheit und der Übermut eines Serienkillers zeigen sich spätestens dann, wenn er als Kandidat einer Flirtshow teilnimmt, wo ihn Millionen sehen und als eventuelle Zeugen sogar identifizieren können. Bis dato hatte ein gewisser Rodney Alcala bereits mehrere Opfer auf dem Gewissen, wobei die Dunkelziffer womöglich deutlich höher liegt.
Ende der Siebziger versucht die erfolglose Schauspielerin Sheryl (Anna Kendrick) in Hollywood Fuß zu fassen. Ihre Agentin rät ihr zur Teilnahme an der TV-Show „The Dating Game“, um so für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen. Als einer von drei weiteren Kandidaten nimmt auch Rodney Alcala (Daniel Zovatto) an der Show teil und niemand ahnt etwas von der gewalttätigen Vergangenheit des sympathisch auftretenden Mannes…
Es ist das Regiedebüt der weiblichen Hauptdarstellerin Kendrick, die sich mit der Verfilmung über einen Serienkiller durchaus anspruchsvollen und zugleich begehrten Stoff zutraut.
Die nicht lineare Erzählweise führt im ersten Drittel zu einiger Verwirrung, da manche Fäden nicht konsequent verfolgt werden und man es in den Jahren 1971 bis 1979 mit verschiedenen Frauen in unterschiedlicher Umgebung zu tun hat, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet. Erst im Verlauf wird die Verschachtelung fokussierter, zumal man sich verstärkt auf die Dating-Show konzentriert.
Insgesamt richtet sich der Fokus auf die weiblichen Opfer, wodurch es keine Ermittlungsarbeit gibt, aber auch keinen eigentlichen Werdegang des Killers, der seine Opfer häufig als potentielles Fotomodel anlockt, um sie schließlich an einsame Orte zu locken. Was ihn überhaupt dazu veranlasste, an einer Fernsehshow teilzunehmen bleibt ungewiss. Auf einschlägigen Videoseiten kursieren noch Originalvideos von jenem Auftritt, der einerseits zeigt, wie vermeintlich normal sich Alcala geben konnte, er untermauert aber auch, wie sorgfältig man jenes Studioset für den Film rekonstruierte.
Überhaupt lässt sich die Ausstattung nicht lumpen. Die Vibes der 70er kommen voll authentisch rüber, was nicht nur durch zahlreiche Fahrzeuge, viele Komparsen und entsprechendem Look der Menschen verwirklicht wird. Sämtliche Darsteller sind treffend besetzt und speziell Kendrick als auch Zovatto performen durch die Bank einnehmend.
Denn ansonsten fühlt sich das Unterfangen mehrheitlich wie ein Drama denn ein Thriller an, welches sich viel Zeit nimmt, jedoch passagenweise deutlich zu lange in bestimmten Situationen verweilt. Dies sorgt nicht immer für Spannung und auch die Dynamik will sich anfangs so rein gar nicht einstellen, zumal etwaige Taten eher angedeutet und in einigen Fällen eher unspektakulär und beiläufig abgehandelt werden.
Mit Fokus auf die beiden Hauptfiguren kommt immerhin ein wenig angespannte Atmosphäre auf, die man mit der Konzentration auf nur wenige Opfer womöglich konsequenter hätte aufrecht erhalten können. Auch das Finale gestaltet sich nicht sonderlich aufregend, sondern so unspektakulär wie der Rest. Dank der Mimen bleibt man zwar am Ball, handwerklich macht Kendrick einen soliden Job, doch die Art der Erzählung liefert nur teilweise das Potential, welches die perfide Masche des Killers eigentlich mit sich bringt.
Knapp
6 von 10