Herzblatt & Schmerz satt
Anna Kendrick und ihr Regiedebüt im True Crime-Thriller- bis Slasher(!)-Genre. „Woman of the Hour“ aka „The Dating Game Killer“ erscheint fast weltweit direkt auf Netflix, doch hierzulande gibt’s andere Vertriebswege und auch den neuen, klareren, aber auch dümmeren Titel. Und die erfahrene Schauspielerin macht das richtig gut auf dem „Chefsessel“. Nicht herausragend, aber definitiv fesselnd genug, um sie auch in Zukunft in dieser Rolle auf dem Schirm zu haben. Sie erzählt hier nach einem wahren Fall einer jungen Frau, die gegen Ende der 70er in einer berühmten Dating-TV-Show einen charismatischen Mann kennenlernt - der in der Gegend schon seit Jahren als berüchtigter Frauenmörder gesucht wird…
Der Creep mit der Kamera
„Woman of the Hour“ und Anna Kendrick machen hier einfach erstaunlich viel richtig. Das ist richtig ermutigend und eine top Überdachung. Nicht dass ich ihr das gar nicht zugetraut hätte, aber da hat sich die junge, freche, witzige und attraktive Schönheit wohl einiges bei ihren bisherigen „Projektleitern“ abgeguckt. Und genau so sollte das ja auch sein, wenn man als Star diesen Schritt wagt. Und aus dieser grundsoliden Basis kann sich nun etwas entwickeln. „Woman of the Hour“ hat messerscharfe Dialoge und genug zu sagen über Frauen (in Gefahr) und ob man(n) ihnen glaubt(e). Man kann darüber streiten, ob der verzwickte Krimi nicht die falsche Frau in den Mittelpunkt stellt. Doch ansonsten war ich tief beeindruckt und die komplette, erfreulich kompakte Laufzeit stark unterhalten. Die grundsätzliche Geschichte ist der Wahnsinn. Daniel Zovatto als Serienkiller hat es drauf. Creepy, überlegt und speziell. Sehr begrüßenswert, ihn habe ich seit „It Follows“ viel zu selten gesehen. Die Siebziger werden gekonnt und detailliert in Szene gesetzt, ohne sich in den Vordergrund zu stylen. Und man will immer wissen, wie es weitergeht. Daher ist dieser konzentrierte, engagierte und spannende Thriller definitiv einer, der in Erinnerung bleibt. Nicht perfekt. Nicht das Blut in den Adern gefrierend. Nicht purer Horror. Aber doch die meiste Zeit absolut positiv, durchdacht und frisch.
Flirting Tom
Fazit: gutes, stylisches und spannendes Regiedebüt von Anna Kendrick. Serienkillerthriller mit dem gewissen Etwas (zu sagen). Das war so klasse und reichhaltig von ihr nicht unbedingt zu erwarten. Aber gerne genommen natürlich. Und Spielraum nach oben ist auch noch genügend. Doch der Anfang ist abgründig, mutig, intelligent und ungemütlich gemacht.