Review

Prärieballade

Der ewig sympathisch Viggo Mortensen erzählt in seiner zweiten Regiearbeit gleichzeitig einen sehr klassisch anmutenden und doch sehr moderne Themen aufbereitenden Slowburn-Western - über eine ungewöhnliche Liebesbeziehung zweier Einwanderer in den wilden Westen, wo Krieg, die raue Natur und männlich-territoriale Gebären ihre Gefühle und Charaktere auf die Probe stellen… 

Viggo macht sein Ding

Sein kleines aber scheinbar feines Regiedebüt („Falling“) konnte ich bisher zwar noch nicht sehen, aber „The Dead Don't Hurt“ entspricht ziemlich meinen Erwartungen gegenüber „Aragorn“ als Regisseur. Kernig, romantisch, ehrlich, enorm entschleunigt. Ein Western alter Schule mit neuen Sensibilitäten. Krieps und Mortensen selbst spielen intensiv und super. Die Bilder sind unfassbar elegant und schön. Die Weiten, die Ruhe, die Intensität in der Liebe wie im Kampf. Der Tod schwebt über allem. Das spürt man, das mag ich. Definitiv bisher einer der eher überseheneren guten Filme des aktuellen Kinojahrzehnts. Voller Understatement und Leidenschaft. Vollkommen solide und als Westernfan gut guckbare Neuware. Allerdings ganz sicher nicht für jeden - genauso wenig wie perfekt. Er zieht sich, er springt unnötig in seiner Erzählung, er lässt sich nicht hetzen, er verlässt sich etwas zu sehr auf seine Textur und audiovisuellen Qualitäten. Da lässt einen die eigentliche Erzählung schonmal etwas kalt. Das ist schade. Denn hätte er zu seinen herausragenden Qualitäten nun auch noch eine spannende Geschichte und eine straffe Erzählung, Inszenierung, Taktung zu bieten, bin ich mir ziemlich sicher, dass wir es hier mit einem Klassiker seines Subgenres zu tun gehabt hätten… Diesen Status verschnarcht er dann aber doch deutlich. 

Fazit: langsam, bildschön, lethargisch, sensibel, verschachtelt… viel eher ein Denker und Fühler als ein Thriller und Actioner. Anspruchsvoll. Behäbig. Geduldig. Zeitlos. 

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