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Die Froschkönigin

„Tiger Stripes“ rebelliert. Nicht unbedingt gegen Klischees und typische Pubertätshorrprmuster, da kommt einem einiges bekannt vor. Aber gewaltig gegen Obrigkeiten und Einschränkungen, für Freiheiten, für Frauenrechte, für Instinkt und die Power aus unserem Inneren. So schmalzig und blöd sich das auch anhört. Es funktioniert. Wir folgen am malaysischen Dschungelrand einer jungen Schülerin, die eigentlich Freundinnen hat, nicht unglücklich wirkt und nicht überdurchschnittlich viel gehänselt wird. Doch als sie die Erste ist, bei der die Periode einsetzt und sich noch ganz andere Dinge körperlich verändern, schüttelt das ihre Welt und ihre soziale Stellung gehörig durch… 

„Carrie“ mit Krallen und Kopftuch?

Horror und Pubertät gehen Hand in Hand. Horror und Rebellion gegen Staat, Unterdrückung und Regeln gehen Hand in Hand. Horror und der Kampf für weibliche Freiheit gehen Hand in Hand. Horror und die animalische Anziehung der Tierwelt gehen Hand in Hand. All das bringt der malaysische Horrorbeitrag „Tiger Stripes“ unter einen Hut. Oder eine Burka? Dieser gesellschaftskritische Bodyhorror kommt einem Befreiungsschlag für das malaysische Genrekino gleich. Leichte Seitenhiebe auf die scheinheiligen, übertrieben religiösen Sitten und Institutionen. Auch das Internet, Influencer und die sozialen Medien kriegen ein, zwei augenzwinkernde Kratzer ab, vor allem mit einem der unfähigeren Exorzisten seit langem, dienen gleichzeitig aber auch als Möglichkeit der Entfaltung und Freiheit für Mädchen, denen das im heimatlichen Alltag einengend, ungesund und für uns unverständlich verboten wird. Doch vor allem geht's um junge Frauen, deren innere Tiger nicht mehr zu halten sind. Nicht von Riten oder Quacksalbern, nicht von Schule, Religion oder gegenseitigem Mobbing, nicht von Eltern oder der eigenen Scham. „Tiger Stripes“ ist eine runde Sache, unterstützungswert und hat einen energischen Technopuls ohne zu hip oder hysterisch auszuarten. 

Burka Snaps?

Fazit: sympathische Coming-of-(R)Age-/Bodyhorror-Variante mit verständlicherweise Wut im Bauch und Haaren auf den Zähnen. Nicht sehr horror, hart oder explizit. Aber mit Exotikbonus und sensationellen Jungdarstellerinnen. Man spürt die Eingeengtheit der Frauen, ihren Ruf und Drang nach Freiheit, die gesellschaftliche und kulturelle Ungerechtigkeit etwas so Natürliches zu unterdrücken und zu verpönen in jeder Minute. Könnte ich irgendwann als Teil der Criterion Collection sehen. 

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