Review

Böse Kund hat Oktobergold im Mund

Dass es „Something Wicked This Way Comes“ nicht auf Disney+ gibt und das Maushaus über ihn ein gutes Stück den verknappenden Mantel des Schweigens legt, ist nicht weniger als eine Schande. Denn dieser „Kinderhorrorfilm“ und Geheimtipp mit herzlicher Message, starker Atmosphäre und einem richtig guten Schuss Dunkelheit hat es in sich und sollte nicht unter den Tisch gekehrt, unter Verschluss gehalten werden. Selbst wenn Disney in Sachen Grusel für ihren Geschmack damals wohl etwas zu weit gegangen sind, ist es doch ein stabiles Zeitdokument aus einer Epoche, in der man auch den Kleinen und deren Psyche noch wesentlich mehr zutraute… Es geht um zwei kleine Jungs, in deren Stadt ein mysteriöser Wanderzirkus einläuft, der scheinbar geheimste Wünsche erfüllt - allerdings unter gefährlichen bis tödlichen Nebenwirkungen…

Herbstliche Höllenhorizonte

„Something Wicked This Way Comes“ hat eine Stimmung, so herbstlich und laubblättrig wie der traumhafteste Oktober nicht! Wie eine bizarre Mischung aus „The Witches“ und sowas wie „Santa Sangre“ oder gar „Hellraiser“, aber mit naiverem und kindlicherem Anstrich. Ohne komplett sein Grauen, seine Dunkelheit, seine inneren wie äußeren Monster zu verlieren. Sehr gut, wenn auch trotz knackiger Laufzeit zwischendurch etwas träge auf den Beinen. Dennoch ist es gerade heutzutage schön, wenn sich ein Film auch mal ruhigere und anschauliche Momente gönnt. Mit goldenen Matte Paintings und Dorfplätzen voller gelber Blätter, mit Zirkuszelten samt einer ewig attraktiven Pam Grier im Esmeraldamodus und einem sehr charismatischen Jonathan Pryce. Gerade für erwachsene und erfahrene Horrorfans funktioniert sicher nicht jeder kleine Schock, manch eine Szene wirkt eventuell sogar heute (unfreiwillig) komisch. Nicht jeder halb-praktische Effekt hier ist zudem ideal gealtert. Doch insgesamt ist das charmant und ohne Frage einer dieser U10er-Grusler, die Kids ziemlich an ihre Grenzen führen und auf die große, weite Welt des Horrors einstimmen können. Und obendrauf gibt’s einige Kommentare und Lehren zum Altern, zum Vater- wie Sohnsein, die einfach vorbildlich funktionieren. Ja sogar berühren, nicht nur weil ich gerade Vater geworden bin. Hätte durchaus auch eine „Twilight Zone“-Folge sein können. Dass hier „The Innocents“-Regisseur Jack Clayton am Werk war, macht sich erheblich positiv bemerkbar. Das ist gekonnt und insgesamt gut gealtert. 

Fazit: braun-gülden-wohliger Einsteigerhorror für Kinder, Halloween'er und Junggebliebene. Maximal herbstlich, extrem atmosphärisch, süß ohne klebrig zu sein. Mit ein paar für Kinder wirklich spannenden, fiesen und herausfordernden Szenen. Wird Zeit, dass man den für Disney+ aus dem „Giftschrank“ holt! 

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