Eddie Constantine in seiner Paraderolle als Agent Lemmy Caution.
Sonst durfte Lemmy Caution nur blaue Bohnen schlucken oder kesse Kätzchen kraulen. Doch Regisseur Jean Luc Godard persönlich schickt Lemmy Caution nach Alphaville, um den dort herrschenden Vorgängen auf den Grund zu gehen.
Die unaufgeforderten Dankes/Begrüßungsfloskeln der Bewohner, die kalten gefühllosen “Vermittlerinnen”, die Verhörungen denen er ausgesetzt wird, das alles verdeutlicht die isolierten Lebensumstände in Alphaville aufs dramatischste.
In Alphaville trifft Lemmy Caution einen alten Freund, der ihm erzählt wie unerträglich das Leben in Alphaville geworden ist und das ein Prof. von Braun hinter all dem steckt.
Prof. von Brauns Idee ist es mit Hilfe des Computers Alpha 60, Gefühle zu eliminieren und eine rationale, der Logik und Klarheit zugewandte, totalitäre Gesellschaft zu erschaffen.
Zusammen mit der Tochter von Prof. von Braun, Natascha von Braun (gespielt von Anna Karina) macht sich Lemmy auf die Suche nach dem Professor, und dem Elektronengehirn Alpha 60.
Lemmy bleibt nicht unentdeckt.
Die Bewohner von Alphaville können sein menschliches Verhalten nicht nachvollziehen. Die Geheimpolizei verfolgt ihn bereits und in einem Verhör soll der wahre Aufenthaltsgrund Lemmys herausgefunden werden.
In einem Schwimmbad wird Lemmy Zeuge einer Hinrichtung von Systemfeinden. Die Frage wessen sie sich schuldig gemacht haben, wird folgendermaßen erklärt: “Die Angeklagten zeigten Gefühle, z.B. weinte einer der Männer bei der Beerdigung seiner Frau, weshalb man ihn nun eliminiert“. Die Angeklagten werden mit gefesselten Armen und Beinen in eine Reihe gestellt und mit Maschinenpistolen erschossen. Besonders zynisch, nach jeder Erschießung werden die Leichen von Schwimmerinnen aus dem Wasser gezogen, die daraufhin ein kleines Wasserballet aufführen.
In einer Szene gibt Regisseur Jean L. Godard, automatisch umklappbare Kinositze als riesige “Müllschlucker für Menschen” aus.
Aber auch Lemmy geht nicht zimperlich mit seinen Gegnern um, er schießt ihnen in den Kopf (Blut fließt über‘s Gesicht), oder überfährt sie mit seinem Auto (eindrucksvolle Szene!).
Alphaville ist ein einzigartiger Film, der im Paris der sechziger Jahre in schwarz-weiß gedreht wurde. Die Moderne, nüchterne und futuristische Architektur der damaligen Zeit, wird auf perfekte Art und Weise in den Film integriert.
Die Dialoge, ebenso wie die filmische Umsetzung, sind auf das wesentlichste konzentriert und verstärken die monotone und bedrückende Atmosphäre zusätzlich.
Das manche Leute mit Alphaville nichts anfangen können und ihn als langweilig bezeichnen, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht liegt es einfach daran, das es in Alphaville keine Kindergarten-Sci-fi. a la “Star Trek“, oder sonstigen peinlichen Sci-fi. Einheitsbrei zu sehen gibt.
Statt dessen sieht man sich mit einer unterkühlt/futuristischen Mischung aus Nouvelle Vague, Sci-fi., Experimental/ Avantgardefilm, sowie einer Kombination aus Nihilismus und Poesie konfrontiert.
Ein düsterer, trostloser Blick in die Zukunft wie er grauer kaum sein kann.
Für mich einer der besten Sozialkritischen Sci-fi. Filme aller Zeiten.
(The Foreigner/ Der Fremde von Amos Poe, ist eine Art “Punkversion Alphavilles”).