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Überlebensfilme mit nur wenigen Figuren auf begrenztem Raum bergen immer ein gewisses Risiko der Eintönigkeit. Mit einem Tom Hanks kann man so ein Unterfangen beispielsweise problemlos über die Bühne bringen, doch auch der französische Regisseur Thomas Bidegain konnte zwei fähige Mimen für sein Abenteuer gewinnen.

Das in einer Krise befindliche Paar Ben (Gilles Lellouche) und Laura (Mélanie Thierry) umschifft mit einem Segelboot die Welt und erkundet im südlichen Teil Chiles eine einsame Insel. Als ein Unwetter einsetzt, ist ihr Boot am nächsten Tag verschwunden und das Paar auf einer unwirtlichen Insel gestrandet, auf der eine heruntergekommene Walfangstation noch das geringere Übel ist…

Die Geschichte ist eine Mixtur aus Ehe-Drama und Überlebenskampf, die nicht rundum überzeugt. Obgleich es in der Beziehung merklich kriselt, bedarf es erst eines garstigen Streites, um etwaige Verfehlungen und Laster aufzugreifen, die danach allerdings nicht weiter thematisiert werden. So bleiben die Charakterisierungen etwas dürftig und das Mitfiebern hält sich, auch aufgrund einiger dummer Entscheidungen lange Zeit in Grenzen.

Der eigentliche Hingucker ist die raue Felseninsel am Rande der Antarktis, für die Island herhalten musste. Zwar finden die zwei rasch eine Trinkquelle, doch die Kälte grenzt den Bewegungsfreiraum deutlich ein, obgleich man mit der Station immerhin ein halbes Dach über dem Kopf hat und sogar Material und ein paar Werkzeuge zur Verfügung stehen. Die Nahrung ist mit salzig schmeckenden Muscheln hingegen deutlich minimiert und man will ja gewiss nicht auf die niedlich anmutenden Pinguine zurückgreifen, - oder doch?

Mithilfe des soliden Make-ups gehen die Spuren zwar nicht an den beiden vorüber, doch nach einigen Wochen sollten sich Haare und Bart doch deutlicher verändert haben als hier. Auch das unweigerliche Abnehmen schimmert nie durch, wobei der eigentliche Überlebenskampf ohnehin zu kurz kommt. Die Eintönigkeit und die Isolation werden phasenweise zu lange in den Fokus gerückt, dann gibt es unerklärliche Hochs mit selbst gebastelter Flöte und Songquiz, während man scheinbar nie den Versuch unternimmt, auch mal die andere Seite der Insel zu erkunden, bevor vielleicht der Winter einsetzt.

Erst im letzten Drittel dreht der Stoff noch einmal kurzfristig auf und konzentriert sich, bezeichnenderweise ohne Worte auf ein Durchbeißen. So richtig spannend wird es allerdings auch hier nicht, da der Überlebenskampf immer mal wieder von einigen Gimmicks relativiert wird. Schließlich ist den authentisch agierenden Mimen nichts vorzuwerfen, die angesichts der dürftigen Figurenzeichnungen nicht allzu viel ausrichten können.

Bidegain findet letztlich nur selten das richtige Timing, um das mit 110 Minuten deutlich zu lange Überlebensdrama mit Suspense anzureichern. Während die Kamera und der melancholisch anmutende Score deutliche Pluspunkte sind, leidet das Drehbuch unter zu wenigen Konfrontationen des Hauptthemas gemeinsam einsam.
Aufgrund der Prämisse und der starken Kulisse für Genrefans dennoch eine Sichtung wert.
6 von 10

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