Wenn Kinder in Horrorfilmen als Brücke zum Übernatürlichen dienen, wird es bestenfalls unangenehm gruselig und es fördert ikonische Erscheinungen wie Damian aus „Das Omen“, Orphan oder die Zwillinge aus „Shining“ zutage. Auch Regisseur Conor Allyn sah darin die Möglichkeit, einen weiteren vermeintlichen Satansbraten aufs Publikum loszulassen.
Ende des 19. Jahrhunderts: Psychologin Grace (Amber Heard) reist von New York in die spanische Provinz, um den Jungen Martin (Lorenzo McGovern Zaini) zu behandeln, der im Ort als dämonischer Außenseiter verschrien ist. Auf den Plantagen regt sich zunehmend Widerstand unter einem aufrührerischen Priester, da der Junge für Missernsten und unerklärliche Todesfälle verantwortlich sein soll…
Es ist der ewige Kampf zwischen Religion und Wissenschaft, den erste auf lange Sicht verlieren wird, da die Wissenschaft (fast) alles liefert, was sich Menschen vor Jahrhunderten nicht rational erklären konnten. Es erinnert nicht ungefähr an eine regelrechte Hexenjagd, wenn der Priester den Mob anstachelt, unter dem Deckmantel des Glaubens hart gegen die Familie vorzugehen, während Martin, mit zwei unterschiedlichen Augenfarben ausgestattet, recht früh Anzeichen von sich gibt, eventuell doch über telepathische Fähigkeiten zu verfügen.
Wobei er genauso gut ein Autist sein könnte, der spezielle Talente im mathematischen Denken und der Musik entwickelt, während er ansonsten nahezu empathielos daherkommt.
Die Bemühungen von Grace sind Schritte der frühen Psychologie, die nicht immer ganz nachvollziehbar erscheinen und so gelingt es ihr lange Zeit nicht, den Jungen überhaupt zu erreichen, umgeben von Widerständen eines weiteren Geistlichen und des Vaters.
Zwar sorgt die ländliche Umgebung für ein erfrischendes Setting, die Ausstattung ist gelungen und die Nebenrollen glaubhaft besetzt und doch will der Funke nie überspringen, da es einerseits zu ereignislos und andererseits zu oberflächlich bleibt. Die Kontraste zwischen den Ansätzen der Ärztin und dem Aberglaube der Dörfler geht nie in die Tiefe, stattdessen gibt es zwei Auspeitschungen und einen weitgehend passiven Martin, der nur allzu selten die Geschichte zu lenken vermag.
Folgerichtig reduziert sich der Horror auf ein Minimum, obgleich zum Finale noch etwas Bewegung ins Spiel kommt und einige wenige Spezialeffekte davon zeugen, was in einem größeren Rahmen möglich gewesen wäre. Zwar endet die Geschichte einigermaßen versöhnlich, doch in Sachen Suspense verballert Regisseur Allyn sehr viel Potenzial.
Nicht zuletzt, weil Amber Heard in der Hauptrolle eine ordentliche Präsenz mitbringt und recht variabel performt, während ihr junger Mitstreiter Zaini zumindest mit einigen düsteren Blicken kurze Gänsehautmomente generiert.
Dennoch ist das zu wenig rund ums Treiben eines Dämonenkindes, wenn hier und da mal einige Flammen auflodern oder ein Schuss sprichwörtlich nach hinten losgeht.
Über weite Teile ist das Tempo zu lahm, die Anteile des Übersinnlichen zu mager und am Ende lässt sich nichts Neues vom Treiben mitnehmen, da es hüben wie drüben an einem Drehbuch mit cleveren Kniffen mangelt.
4 von 10