Als ihre Kollegen etwas außerhalb von Barcelona einen ausgebrannten Wagen finden und in dessen Kofferraum die Überreste einer Leiche, scheint es sich dabei um ein weiteres Opfer einer Fehde unter rivalisierenden Drogengangstern zu handeln. Doch dann stellt sich heraus, daß der Tote selbst Polizist war: Pedro (José Manuel Poga) gehörte zur örtlichen Polizeieinheit der katalanischen Mossos d´Esquadra. Für Rosa Peril (Úrsula Corberó), seine Freundin und ebenfalls Polizistin, scheint damit eine Welt zusammenzubrechen. Die attraktive Mittdreißigerin hat auch sofort einen Verdacht, wer daran Schuld sein könnte: ihr ex-Mann Javi (Isak Férriz), mit dem sie einen erbitterten Sorgerechtsstreit um die gemeinsame kleine Tochter führt.
Doch ganz so einfach stellt sich die Sache dann doch nicht dar: zum einen ist dieser Javi nicht der Typ Mann für solch ein Verbrechen, was sich auch Rosa Eltern, die sie in den Tagen danach öfters besuchen, nicht vorstellen können, zum anderen ergibt die Auswertung der Handydaten Pedros eine merkwürdige Chat-Nachricht an Rosa kurz vor seinem gewaltsamen Tod: "Ich will dich nicht in meine Sachen mit reinziehen." Kommissarin Ester (Eva Llorach) findet überdies heraus, daß Rosa eine Affäre mit einem anderen Kollegen, Albert Lopez (Quim Gutiérrez) hat. Noch halten die Alibis, aber irgendetwas ist an der Geschichte faul...
Eine weitere True-Crime-Story stellt die spanische Netflix-Serie El cuerpo en llamas dar, die der Streaminggigant nicht nur in einer 8-teiligen Serie von Laura Sarmiento Pallares aufarbeiten ließ, sondern zeitgleich dazu auch noch eine anderthalbstündige Dokumentation lieferte. Hintergrund ist der Mord an einem Polizisten, dessen verkohlte Leiche - wie in der Serie dargestellt - 2017 in Barcelona aufgefunden wurde. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich dann heraus, daß seine Partnerin Rosa Peril hinter dem Mord steckte. Die Umstände, die dazu führten, vor allem aber die vielen Beziehungen, die die attraktive Rosa einging, waren damals ein großer Aufmacher nicht nur der spanischen Boulevardpresse - Grund genug für Netflix, im Genre True-Crime-Stories ohnehin sehr aktiv, daraus eine Serie zu fabrizieren.
Mit Haus des Geldes-Darstellerin Úrsula Corberó konnte auch eine geeignete Hauptdarstellerin verpflichtet werden, die ihren Part der intriganten, manipulativen Mörderin relativ überzeugend spielt, gleichzeitig jedoch auch die innere Zerrissenheit des Vorbilds Rosa Peril authentisch rüberbringt. Nach der letzten Episode - die mit dem Urteil endet - halten sich die Bewunderung über Corberós schauspielerische Leistung und die Abscheu über das mörderisch-manipulatives Treiben ihres Filmcharakters die Waage. Gleichzeitig mag man sich aber auch leise fragen, ob die in der Serie dargestellten, relativ eindimensional denkenden und agierenden Männer durch ihr meist testosterongesteuertes Handeln nicht auch einen gewissen Anteil zum Geschehen beigetragen haben.
Problematisch bei dieser Beurteilung ist dabei der Umstand, daß die Serienschöpferin und ihre Drehbuchautoren diverse Details des Falls weggelassen und dafür ein paar andere dazugedichtet haben, um ein besonders publikumswirksames Krimidrama um eine ebenso durchtriebene wie sexy Polizistin zu kreieren. Dies ist ihnen zweifelsfrei gelungen, dennoch liegt in der Fülle der Subplots und Rückblenden dann doch der sprichwörtliche Hund begraben, denn eine ganze Menge davon ist schlicht uninteressant und sorgt, vor allem im Mittelteil der Serie (zwischen den Folgen 4 bis 6) für einige Längen - besonders, nachdem in der 3. Episode schon relativ klar dargestellt wird, daß Rosa und Albert den Mord gemeinsam begangen haben. Für die letzten Details freilich muß man bis ganz zum Ende ausharren. Als störend wirkt sich dabei neben den erwähnten reinen 'Füller-Szenen' vor allem der Score mit seinen viel zu laut ausgesteuerten Musiktiteln aus, die noch dazu teils minutenlang erklingen und die Geschichte, deren Ausgang freilich schon bekannt ist, kein Stück weiterbringen.
Fazit: dank Hauptdarstellerin Úrsula Corberó eine weitgehend sehenswerte Aufarbeitung eines toxischen Beziehungsgeflechts unter spanischen Polizisten, das aber netflixtypisch wieder deutlich zu lang ausgefallen ist und mit maximal 5 Folgen ein besseres Ergebnis erzielt hätte. 5 Punkte.