Review

„Come On Eileen“, - ein wenig vom Schwung des Songs der Dexys Midnight Runners hätte sich Regisseur William Oldroyd gerne für sein Werk zu eigen machen dürfen, welches erst im letzten Drittel einen minimalen Genrewechsel wagt.

Massachusetts Mitte der 1960: Die unscheinbare Eileen (Thomasin McKenzie) fristet ihr tristes Dasein zwischen einem Hilfsjob in der hiesigen Jugendhaftanstalt und der Betreuung ihres alkoholkranken Vaters (Shea Whigham). Als mit Rebecca (Anne Hathaway) eine neue und zugleich schillernde Erscheinung in Form der Gefängnispsychologin in ihr Leben tritt, scheint sich Eileens Dasein schlagartig zu ändern…

Eines muss man Regisseur Oldroyd lassen: Die trübe Atmosphäre der hier gar nicht so schillernden 60er fängt er fantastisch ein. Die Ausstattung ist ohne Makel, die Kostüme, insbesondere die für Hathaways Charakter sind auf den Punkt geschneidert und der Look ist trotz digitaler Quellen angemessen grobkörnig gestaltet und wird von düsteren Erdfarben dominiert. Hinzu gesellt sich ein überaus atmosphärischer Score, der vor allem die Melancholie der Titelfigur hervorragend einfängt.

Die Story mäandert indes in der allgegenwärtigen Hoffnungslosigkeit umher und wird lediglich durch kurze Tagträume in schockähnlicher Form aufgerissen, die auf eine düstere Wendung in Richtung Eileen schließen lassen. Diese lässt jedoch sehr lange auf sich warten und wird dann etwas zu hastig abgehandelt, was das abrupte Ende in jeder Hinsicht widerspiegelt. Darüber hinaus bleiben einige Fragen offen und selbst wenn man dem Geschehen anschließend noch einen immensen Plot Twist andichten wollen würde, so stieße dieser auf eklatante Logiklücken. Bleibt also nur die eher einfache Lösung und ein dennoch wenig befriedigender Ausgang.

Das ist insofern schade, als dass sich die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen rasch einspielt und eine nicht unspannende Ambivalenz entwickelt, bei der es den Stimmungsbruch zum finalen Akt vielleicht noch nicht einmal benötigt hätte.
Letztlich geht es, zumindest vordergründig darum, einen eventuellen Ausweg aus der persönlichen Misere zu finden, die nicht von ungefähr wie das nahe gelegene Gefängnis anmutet. Diesbezüglich liefert Hathaway als eine Art Femme Fatale souverän ab, bleibt aber deutlich hinter der sehr nuancierten Leistung von McKenzie zurück, die sich weiterhin für größere Projekte in vielfältiger Form empfiehlt.

Zwischen Frauendrama, Coming of Age und Anleihen eines Thrillers findet die Erzählung kaum die richtige Balance. Audiovisuell als auch darstellerisch wird in jeder Hinsicht geliefert, doch diverse Längen und ein kaum zufrieden stellender Ausgang funken diesen guten Ansätzen gehörig dazwischen.
5,5 von 10

 

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