Auch als The Guardian oder The Protector benanntes Regiedebüt von Jung Woo-sung, der wohl seinem Kollegen Lee Jung-jae und dessen vorübergehend neuen Werdegang bei The Hunt (2022) nacheifern möchte; Jung dort als zweiter Hauptdarsteller, hier zusätzlich auch hinter der Kamera tätig und theoretisch im gleichen Genre, dem des Actionthrillers, nur in der Größenordnung vergleichsweise überschaubar und persönlicher, mit dramatischer Note angelegt. Auffällig ist erstmal auch ein Blick auf die Laufzeit, knapp über 90min ist für ein koreanisches Werk fast schon Kurzfilm, wird sich hier auf eine Geschichte, eine Person und dessen Werdegang und Umgang mit der Gesellschaft, und nicht gleich auf das große Ganze fokussiert:
Nach jahrelanger Haft wird der früher für Eung-kook [ Park Sung-woong ] tätige Choi Su-hyuk [ Jung Woo-sung ] entlassen, möchte aber nicht mehr in sein altes Leben zurück und gibt dies auch dem nunmehr in Landgewinnung und Real Estate Tätigen gegenüber unmissverständlich zum Ausdruck. Dessen rechte Hand Kang Seong-joon [ Im Jun-han ] fühlt sich dennoch von dem 'Wiederkehrer' bedroht und hetzt ihm das Killerpärchen Woo-jin [ Kim Nam-gil ] und Min-seo [ Lee Elijah ] auf den Leib, die auch seine frühere Freundin Jin-ah [ Park Yoo-nah ] und die gemeinsame Tochter In-bi [ Ryu Ji-an ] gefährden.
Die Erzählung erinnert dabei absichtlich oder nicht absichtlich, aber unwillkürlich an früheres Heroic Bloodshed Kino aus HK, Werke mit Ti Lung oder der jüngeren Ausgabe, mit Andy Lau bestückt, die Haftentlassung eines Mannes, der zurück in der Freiheit nicht die Chance bekommt, die er verdient hat, sondern erneut bedrängt wird und zu Mitteln der Gegenwehr greifen muss, erst der Kriminelle, dann der Kampf gegen die Kriminalität als Form der Resozialisierung, oft, aber nicht immer auch mit düsterem Ausgang belegt. Das Gefängnis ist außerhalb der Zivilisation gelegen, von der Natur fast zugewuchert, weit hinten scheint man eine Stadt zu erahnen, ein anonymer, halb im Bau, halb verlassen wirkender Moloch, vorne ist ein besserer Steinbruch. Die Habseligkeiten, die man noch bei sich hat, sind überschaubar und wenig, es werden allerdings einige neue Gerätschaften und materielle Unterstützungen bereitgehalten, anonymer Weise, wie es scheint, ein erster Schritt zurück ins Verderben.
Zehn Jahre war man weg, man wurde nicht vergessen, die Anderen haben sich geändert, aber nicht unbedingt zum Besseren. Fragen werden gestellt, Antworten werden geliefert, weitere Mitstreiter oder eher auch Gegenspieler vorgestellt, neue Situationen aufgebaut, ein insgesamt bedrohliches Szenario geschaffen, ein Milieu, welches jederzeit unter Spannung steht und explodieren kann oder implodieren. "Hell is engulfed in fire." heißt es bald, ein Bombenanschlag auf eine Kirche lässt diese zittern und zersplittern, ein Vorgeschmack auf noch Kommendes, eine erste Aufmerksamkeit. Die Gegenwart spielt eine Rolle, die Vergangenheit ebenso, ein blutiges Massaker mit dem Messer in einem Club als Rückblende, als Grund für die Verhaftung, die Bilder kühl, die Atmosphäre ebenso, ein Gangster- und ein Gaunerstück, welches durch einige Unschuldige in der Erzählung kaum aufgewärmt, eher noch deutlicher auf den emotionalen Gefrierpunkt, eine asketische Herangehensweise vom Drehbuch und an das Drehbuch gebracht wird.
"Sir, are you in pain?" - "I sure am...I was always in pain. I'll continue to be in pain. It'll be like this forever."
Später wird die Umgebung luxuriöser, Wolkenkratzer, Glasfassaden, Luxus in der Ausstattung, edle Anzüge, weniger edles Benehmen, "a different world now", eine Oberfläche der Geschäftstüchtigkeit und der vorgeblichen Legalität. Sparsam die Gespräche, die Gefühle, eine erste Zurückhaltung aller Empfindungen, ein Wegducken von Konfrontationen, schlichtes Reagieren statt offensives Agieren, anämisch fast, aber mit genügend Interessen und Merkwürdigkeiten bis Ansätzen schwarzen Humors und Exzentrizität in der Bebilderung. Es geht um eine private Annäherung und eine berufliche Abgrenzung, beides schwierig gemacht bis scheinend unmöglich, entsprechend ist das Tempo des Filmes eher ruhig, nicht sonderlich drängend und treibend, eher zögerlich, oder zumindest hinauszögernd. Die Anschläge rücken später näher, ein Angriff mit dem Wagen, dann mit einem unmodulierten Gewehr, mit Eisennägeln als und statt der üblichen Munition, bald wird ein Auto als Waffe benutzt, als Rammbock und als Festung, als Stoßstange, Schleudersitz und Ummantelung; überhaupt ist das Fahrzeug mit ein Hauptbestandteil der Handlung, und wirkt man zuweilen wie die südkoreanische Ausgabe von Drive bzw. Driver, man ist auf jeden Fall auch abgeklärt im Erscheinungsbild genug. Eine wahnwitzige Verfolgungsjagd gegen ein mit lauter selbstgebastelten Handgranaten als Abwehr bestücktes Motorrad durch die nächtlichen Straßen, über mehrere Ebenen und durch verschiedene Konstruktionen hinweg als mit größte Actionszene, Feuerbälle auf der Fahrbahn, furios umgesetzt, konstruktiv erdacht.