Sommer der Tierliebe
„Pet Sematary: Bloodlines“ ist ein Prequel und weiterer Ableger in einem eigentlich längst überholten Franchise, bei dem schon das vorangegangene Remake hinter jeglichen Erwartungen zurückblieb und das sich immer weiter von Stephen King, guter Qualität, solider Horrorunterhaltung entfernt. Aber weil mich „Pet Sematary II“ aus den Neunzigern trotz schlechtem Ruf letztens positiv überraschen konnte, gab ich auch diesem Direct-to-Streaming-Leichnam eine Chance. Exklusiv momentan auf Paramount+. Erzählt wird sprunghaft und oberflächlich aus 1969, als ein junger Mann zwischen Friedensbewegung und Liebessommer mit seiner hübschen Freundin eigentlich nur sein Kaff Ludlow verlassen will. Doch die Heimat des berühmt-berüchtigten Tierfriedhofs will die beiden nicht wirklich loslassen und schnell tun sich einige alte Geheimnisse der Stadt auf…
Kinder des Zottelzorns
Gerade im Oktober wird der Markt gewöhnlich mit neuen Horrorfilmen geflutet. Was mir recht sein soll. Da kommen den Produzenten für den schnellen Dollar solche bekannten Titel und Marken natürlich recht. Und ich könnte mir sogar bei „Bloodlines“ gut vorstellen, dass er einst als wirkliche Kinofortsetzung des Remakes gedacht war. Er hat ja immer noch klare Connections, kann aber auch problemlos losgelöst und eigenständig betrachtet werden. Und diese Eigenschaft ist leider eine der wenigen positiven hier. Obwohl meine Erwartungen schon gering waren. Aber das ist eben der Unterschied zwischen heute und von vor 30-40 Jahren - damals konnte einem auch ein von Kritikern und Publikum in Mehrheit verschmähtes Sequel liegen und irgendetwas geben. Sei es nur unfreiwillige Komik. Heutzutage ist das bei einem berechneten und blassen Prequel wie „Pet Sematary: Bloodlines“ wesentlich unwahrscheinlicher. Hier sticht nichts heraus, hier wirkt nichts eigen, nichts probiert, gewagt, neu. Alles safe und langweilig runtergespult. Dazu eine Antikriegsmessage lieblos drangeklatscht, weitere Rückblenden in dieser eh schon überlangen großen Rückblende eingebaut. Unnötig, unspektakulär, homogen, glatt gebügelt, mit erstaunlich wenig toten Tieren. Auch kaum Action auf dem Friedhof selbst. Fast insgesamt den Titeln „Mogelpackung“ und „Etikettenschwindel“ würdig. Nur Duchovny als ungewohnt grimmiger Vater und Einsiedlertyp ist ein Lichtblick. Und „Bad Moon Rising“ zu Beginn. Dennoch: wenn ein Film mit dem Song aufläuft und dann dermaßen versagt, ist das schon eine sensationelle Negativleistung. Ich bin immer dafür Welt, Lore und Mythen eines interessanten Horrorfranchises auf eigenen Wegen auszubauen - aber auch damit scheitert „Bloodlines“ mit eingeschlafenen Füßen und schlaffen Augenlidern. Den letzten Satz im Film hätten sich lieber alle Beteiligten zur Herzen genommen: „Stay The Fuck Out of Ludlow!“.
Fazit: schwacher, lebloser und wenig interessanter Ableger des „Kuscheltiere“-Mythos. Eher Abschreibung als Anspieltipp. Vergessenswert.