Mit ihm wird der Boden aufgewischt…
Toxie ist eine der kultigeren und nischigeren Genrefiguren aller Zeiten. Er war und ist der Liebling der echten Freaks, nicht von Leuten, deren Lieblings-80s-Bösewicht vanilla Freddy Krueger ist. Und Troma hatte seine Zeit, lässt sich heutzutage so aber einfach nicht mehr reanimieren oder abgeschwächt darstellen. Eine große bis unmögliche Aufgabe also für den starbesetzten (Dinklage, Tremblay, Blair, Wood, Bacon!) neuen „The Toxic Avenger“, der völlig zu Unrecht nach seinen Festivalpremieren vor zwei Jahren erstmal in den Produzentengiftschrank gewandert ist und in dem sich nun ein alleinerziehender Vater giftig-genmanipuliert gegen die comichaften Killer und Umweltvergifter seines Arbeitsgebers durchmobben muss…
Toxischer Superheld für eine toxische Zeit?
Klar, wirklich Troma ist das nicht mehr, Puristen werden das kaum vollen Herzens gutheißen können. Selbst ein viel radikalerer und fast fünfzehn Jahre älterer „Hobo With a Shotgun“ wischt damit den Boden auf. Viele Effekte und Splattereien sind zu wenig handgemacht, Dinklage spielt Toxie leider nur vor der Verwandlung, etliche politische Unkorrektheiten wirken (genauso wie die Trashigkeit hier allgemein) arg berechnet und mit spürbar angezogener Handbremse. Und wie gesagt, wenn man mit den „Real Deals“ von Troma damals bekannt ist oder gar mit ihnen aufgewachsen ist, dann kann, nein muss man das hier als Lightversion bis leicht missgestalteten Kindergeburtstag abtun. Das kann dann nur zu bösem Blut führen. Oder eben ätzender Pisse. Aber ich habe ihn mit einer spaßigen Meute im Rücken auf dem Fantasy Filmfest gesehen. Mit drei Bier in der Hand. Mit einem Lächeln im Gesicht, gerade wenn es süße Anspielungen auf Poultrygeist, Class of Nukem, Lloyd Kaufman höchstselbst und sogar das Toxie-Musical gibt. Mit einem leicht ergriffenen Herzen durch die oberflächliche, aber gelungene Vater-Sohn-Beziehung. Und mit insgesamt doch befriedigender Berieselung. Wenn man eben nicht die Maßstäbe und den Zeitgeist von damals ansetzt, denn dazwischen liegen nunmal Welten…
Im Giftschrank hatte der nichts zu suchen
Fazit: für Fans und ungefähr auf dem Niveau von sowas wie „Wolf Cop“. Richtig Troma ist das nicht mehr. Anspruch und Dreckigkeit sollten bei einer solchen Kultlegende eigentlich ein anderer sein. Und trotzdem, wenn man es nicht zu streng und zu puristisch sieht, vielleicht sogar eine passende (Festival-)Crowd erwischt, kann das eine feuchtfröhliche Sause sein. Eine der „neutrashigen“ Art eben.