Review

Körperteile einer Familie

Eine bizarre und mörderische Familie von Schaustellern wandert durch die Südstaaten - und dabei müssen einige Extremitäten und alte Gewohnheiten abgeschnitten werden. Nicht nur auf der knarzenden Bühne aus Holz, Blut, Schweiß und Tränen…

Freaks in der Alptraumgasse

Man erkennt sofort, dass „Where The Devil Roams“ ein Film der Adams Familie ist. Ihr Stil ist einfach unverkennbar. Kalt, winterlich, fein. Und hübsch dazu. Und „Where The Devil Roams“ ist ihr vielleicht bis heute schönstes Werk. Perfekt für diese Jahreszeit. Unterkühlt und kontrastreich. Verstörend und speziell. Familiär und offenbarend. Dazu insbesondere hier durchzogen von Alptraumsequenzen, Theatermomenten, Gedichten, Musikvideos (!) und persönlich-intimen Visionen. Das baut enorm Atmosphäre auf und gerade in bester Tradition von berühmten Horrorklassikern der Wanderzirkusse kann „Where The Devil Roams“ punkten, anknüpfen und frostig bezaubern. Leider kann die inhaltliche und geschichtliche Ebene da nicht ähnlich überzeugen. Hätte sie das gekonnt, wäre ein Toptitel entstanden. Doch leider gibt es arges Stottern abwechselnd mit ärgerlichem Stillstand in Sachen Story. Und das ist etwas blöd. Egal wie fein dabei die Hülle ist - der Inhalt sollte einen dann doch auch fesseln. Immerhin wirken Ton und Visuals stark genug, dass man darüber während dieses Trips Down Zirkuslane nicht allzu lange nachdenkt. Doch spätestens danach fällt es einem auf: was habe ich da eigentlich gerade gesehen?! 

Fazit: atmosphärisch und audiovisuell größtenteils berauschend. Die Charakterisierungen sind auch speziell und gut. Die Gewalt ist oft abrupt, blutig und kreativ. Da werden reichlich Finger abgeschnitten und wieder zusammengenäht. Das tut weh. Doch erzählerisch bleibt sehr viel auf der Strecke dieses gruseligen Wanderzirkus'. Dennoch bleibt die Adams Family natürlich unter genauerer Beobachtung. 

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