Manchmal fällt der Apfel nicht weit vom Stamm, was anhand einer gewissen Bianca van Damme deutlich zu beobachten ist. Den Spagat und einige Kampfsporteinlagen dürfte sie von ihrem Vater Jean-Claude haben, vom Gesicht her ähnelt sie allerdings ihrer Mutter Gladys Portugues, mit der JVCD zum zweiten Mal verheiratet ist.
Alma (Van Damme) ist seit dem Unfalltod ihrer Eltern in psychologischer Behandlung und benötigt seit dem gewaltsamen Ableben ihres Großvaters noch mehr Unterstützung. Um endlich ein wenig zur Ruhe zu kommen, wollen sie und ihr Mann Eddie (Chris Veres) ein Wochenende in der Waldhütte ihres Opas verbringen und sind nicht wenig überrascht, als kurz nach ihrer Ankunft ein Paar (Vannessa Vasquez und Shalim Ortiz) in die Hütte gelangt, welches diese für geraume Zeit gemietet haben will. Alma ahnt, dass denen nicht zu trauen ist…
Es gilt zunächst, die erste Hälfte zu überstehen, denn diese zieht sich gewaltig, bis Alma in der Hütte von ersten Alpträumen und Visionen heimgesucht wird. Diese lassen ein wenig auf den weiteren Verlauf schließen, während der Vorlauf weitgehend oberflächlich abgehandelt wird und dabei lediglich Eckdaten einer psychischen Erkrankung abgrast, welche Therapiebesuche und die Einnahmen von Psychopharmaka notwendig machen.
Wenn ein Thriller damit einsteigt, wie die Hauptfigur ein wenig Sport betreibt, einschließlich einiger Kampfsportbewegungen, wird ihr dies im Verlauf natürlich zum Vorteil gereichen.
Alternativ hätte man sie auch mit einer Zwille erfolgreich auf Dosen schießen lassen können, dann wäre jenes final eine Möglichkeit der Gegenwehr gewesen. Bezeichnenderweise öffnet der Himmel mal wieder seine Schleusen, sobald das Böse die Oberhand zu gewinnen scheint und man darf bereits Wetten abschließen, ob ein alter Sheriff wohl noch rechtzeitig den Ort des Geschehens erreichen dürfte.
Was Regisseur Matías Moltrasio phasenweise recht gut gelingt, ist die visuelle Verzerrung aus Sicht der Protagonistin. Zwar übertreibt die Kamera es zuweilen mit 180-Grad-Winkeln, doch ein gewisser Schwindel, der sich wie kurz vor der Ohnmacht anfühlt, ist ebenso treffsicher umgesetzt, wie der benebelte Zustand beim Erwachen und dem Registrieren düsterer Tatsachen. Leider unterstützt der Score jene Befindlichkeiten kaum, er dümpelt eher unauffällig im Hintergrund herum.
Bei einer überschaubaren Figurenkonstellation sind entsprechende Twists nicht gerade leicht unterzubringen und folgerichtig entpuppen sich etwaige Wendungen als durchaus erahnbar. Im Zusammenhang mit dem Titel kann es hingegen einige Verwirrungen geben, was eventuell die letzten Einstellungen etwas gerade rücken. Zumindest folgt das Drehbuch nicht allen gängigen Konventionen durchschnittlicher Genrekost.
Mit einer knackigen Laufzeit von 80 Minuten lässt sich der Thriller als passable Kost für Zwischendurch goutieren. Nach einem etwas langsamen Start ist in der finalen Phase ein wenig Spannung gegeben und auch darstellerisch befindet sich die Crew auf einem annehmbaren Niveau, wobei Frau van Damme tatsächlich einige Moves beherrscht, die sie eigentlich nur vom Papa abgeschaut haben kann.
Knapp
6 von 10