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Es ist ja nicht so, dass ein halbwegs aufmerksames Publikum mit einer verschachtelten Erzählweise in Form einiger Rückblenden überfordert wäre. Doch Co-Autor und Regisseur Michael Winnick geht mit seiner Darbietung derart auf Nummer sicher, dass einige Szenen bis zu dreimal wiederholt werden. Er scheint Actionfreunde echt für blöde zu halten.

John (Byron Mann) war einst bei den Special Forces und hat sich für ein neuartiges Projekt gemeldet, wonach ein implantierter Chip Geist und Physis immens verbessern soll. Als John die Hintergründe der Forscher durchschaut, bricht er aus dem Labor aus. In einer Hotelbar trifft er auf die attraktive Jane (Helena Mattsson) und erzählt ihr seine Geschichte…

Die ersten Minuten, obgleich in kargen Räumen spielend erwecken durchaus Interesse, weil eben noch nicht alles ausformuliert wird. John soll Motive auf verdeckten Karten erraten und anbei erhält man seine subjektive Wahrnehmung, mit der er blitzschnell Personen und Gegebenheiten analysiert. Sein anschließender Ausbruch gestaltet sich immerhin einigermaßen actionreich, was mit einigen Fights und Schusswechseln einhergeht.

Mit der Bar-Plauderei als Rahmenhandlung geht es anschließend jedoch steil bergab, obgleich sich die einander Fremden ein wenig die Bälle zuspielen. John berichtet über diverse Testprobanten vor ihm, was aufgrund fehlender Charakterisierungen eher wie eine Nummernrevue anmutet. Es geht um Drahtzieher und manche Verschwörungstheorie, um Agenten und Widersacher, doch die Luft ist rasch raus, zumal die Action im Mittelteil deutlich zu kurz kommt.

Zudem wiederholen sich Szenen, die bereits zwei Minuten zuvor gezeigt wurden, ohne dass sich der Kontext zwischenzeitlich geändert hätte. So betritt Jane satte dreimal die Hotellobby, um mit einem Stöckelschuh abzuknicken, während dem Betrachter selbst im Halbschlaf klar wird, dass jene Blondine nicht rein zufällig hier aufkreuzen dürfte.
Und obgleich die Anzahl an Nebenfiguren überschaubar bleibt, erweisen sich deren Ziele teils als nebulös, manche Absichten werden bis zuletzt nicht deutlich.

Das eher niedrige Budget macht sich primär an der wenig aufwendigen Inszenierung bemerkbar, denn eine Fahrt mit einem Luxusboliden dürfte für die Produktion womöglich am teuersten gewesen sein. Die Hotelbar wirkt schick, die Laborräume schmucklos, dazwischen gibt es beinahe nichts anderes. Zur halbgaren Inszenierung gesellt sich eine Choreo, die zwar vom Hauptdarsteller auf den Punkt umgesetzt wird, doch ihr fehlt letztlich der Wumms.
Darüber hinaus merkt man seinen Gegnern die mangelnde Kampferfahrung an, während Mündungsfeuer per CGI selten zu begeistern wissen.

Byron Mann überzeugt indes mit einer gewissen Präsenz, über einen leicht arrogant erhabenen Gesichtsausdruck kommt er jedoch selten hinaus. Mattsson performt auch nicht variabler, allerdings gibt es eine gewisse Chemie zwischen den beiden Gesprächspartnern.
In einer Nebenrolle versucht sich Robert Patrick als dubioser Arzt, während der Rest eher gelangweilt wirkt, was sich auch ein wenig auf die Dynamik des Ganzen auswirkt.

Nach einem weitgehend gelungenen Einstieg ist die Luft rasch raus und mit ihr die Spannung, die sich trotz und auch gerade mit der verschachtelten Erzählweise selbst im Weg steht.
Zudem kommt die Action deutlich zu kurz, was auch das enttäuschende Finale untermauert, welches erst gar keinen Drive aufkommen lässt. Ein paar sympathische Ansätze und eine taugliche Prämisse sind mitzunehmen, der Rest ist trotz der kurzen Laufzeit von 87 Minuten eher belanglos.
4 von 10

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