Spätestens mit der Verfilmung seines eigenen Romans „Der Nebelmann“ dürfte der italienische Autor Donato Carrisi einige Wellen geschlagen haben. Mit seiner dritten Regiearbeit war die Messlatte entsprechend hoch gesetzt, - wahrscheinlich zu hoch.
Ein Müllmann (Gabriel Montesi) ist im Großraum am Comer See unterwegs, als er eine junge Frau (Sara Ciocca) vorm Ertrinken rettet, sich aber nicht zu erkennen gibt. Aus gutem Grund: Der Mann ist ein Serienkiller, der es auf reifere Frauen abgesehen hat. Eine Mutter (Michela Cescon) geht dieser Spur nach und stößt schon bald auf die gerettete Frau vom Comer See…
Die bedrückende Anfangsszene aus der Kindheit des Killers schürt zwar unweigerlich Empathie, sie langt aber trotz weiterer Rückblenden nicht aus, um die Taten des Killers zu legitimieren oder sein Handeln nachvollziehen zu können. Konkrete Tötungen werden konsequent ausgeblendet, wogegen die Vorbereitungen und das Nachspiel regelrecht zelebriert werden. Das Anbringen der Verkleidung als auch die Entsorgung möglicher Beweismittel nimmt deutlich zuviel Zeit in Anspruch.
Zwei der weiteren, ebenfalls namenlosen Hauptfiguren verdrängen schließlich die Präsenz des Killers, lassen jedoch nur bedingt in die innere Welt der Figuren blicken. Das Mädchen, welches sich anfangs umbringen wollte, wird sexuell erpresst und findet kaum Gehör im versnobten Elternhaus. Im krassen Gegensatz dazu steht die Mutter, die vor fünf Jahren ihre Tochter auf offenbar gewalttätige Weise verlor und sich seither um das Schicksal junger Frauen müht. Von der Polizei weitgehend belächelt, hilft ihr eine Polizistin als Informantin und sie ist es letztlich, die als Ermittlerin den Ball ein wenig ins Rollen bringt.
Allerdings nur langsam, da sich der Stoff durch die Bank sehr viel Zeit lässt, auf der anderen Seite jedoch selten konsequent zu Werke geht. Stattdessen verwässert er die Szenerie mit unnötigen Details, während er wichtige Fakten ausklammert oder für einen viel zu späten Zeitpunkt zurückhält, was das Mitfiebern unweigerlich erschwert. Handfeste Ermittlungen mit logischen Konsequenzen sollte man ebenfalls kaum erwarten, denn seit wann reicht ein abgetrennter Arm ohne den Rest der Leiche aus, um eine Todesursache abzuleiten?
Immerhin performen die Mimen durch die Bank überzeugend, wobei primär Montesi als leicht entstellter Killer mit Kopfnarbe und Problemen beim Gehen einen durchaus bleibenden Eindruck hinterlässt. Während der Score eher weniger auffällt, liefert die Kamera einige bemerkenswert gut durchkomponierte Bilder ab, vor allem im Kontext mit dem Kernmotiv des Wassers.
Dennoch vermag die dritte Regiearbeit Carrisis nicht wirklich zu überzeugen. Zu sehr ziehen sich die rund 126 Minuten, zu wenig Spannung resultiert aus dem selten bestehenden Zusammenspiel der drei Hauptfiguren und nur bedingt wecken die Figuren Interesse oder gar Empathie für ihr Schicksal. Ein eher mauer Thriller, den man überspringen kann.
4,5 von 10