Oliver Quick ist neu an der Universität Oxford. Ein Außenseiter, der aber bald Anschluss an eine Clique sucht, in welcher sich auch der aristokratische Felix Catton befindet. Dieser ist Oliver gegenüber auch nicht abgeneigt und lädt ihn über den Sommer auf das Anwesen seiner Familie ein. Dort lernt Oliver Felix' exzentrische Verwandtschaft und das Luxusleben kennen, ein unvergesslicher Sommer nimmt so seinen zuerst harmlosen Anfang.
„Saltburn“ nimmt sich Zeit, über zwei Stunden für dieses Szenario, das aus diversen Vorbildern zusammengezimmert ist. Und der Film zelebriert das, dieses Szenario, das er streckt und / oder auskostet. Und ist das auf der einen Seite durchaus beobachtend und auch mal hintergründig, so überschatten insgesamt zu viele Probleme den von Emerald Fennell inszenierte Zweitwerk (nach dem tollen „Promising Young Woman“, 2020). Nicht nur, dass die Kiste recht vorhersehbar ist, wenn man das Muster durchschaut hat oder mal eines der vielen Werke gesehen hat, die hier Pate standen. „Saltburn“ schafft es auch nie, dramatisch zu werden, Gravitas zu entwickeln oder ein ernsthaftes Interesse für die Figuren zu generieren.
Diese sind im besten Falle merkwürdig, in der Regel aber entweder eine sozial realitätsferne Kaste, ebensolches Personal oder eben Oliver, der sein Leben in genau dieses einbringt und sich darin festsetzt. Das Ensemble bringt diese Rollen allerdings ansprechend rüber, das muss man den Beteiligten lassen. Insbesondere Rosamunde Pike und Richard E. Grant als Felix' Eltern liefern ein paar schön entrückte Szenen ab, Barry Keoghan als zentrale Figur hingegen ist für diese Rolle einfach keine Idealbesetzung. Ich konnte ihm den Charakter so, wie er ihn nach außen trägt, nicht ausreichend abnehmen.
"Saltburn" bedient sich noch mancher Kniffe, die er sich hätte sparen können. Nicht nur greift er zu Beginn mit Einblendungen dem Verlauf des Films voraus, er lässt Oliver auch immer wieder aktiv als Erzähler auftauchen und auch hier kann man an seinem Auftreten schon sehen, wo die ganze Geschichte im Groben landen wird. Wenn man das Ziel schon verrät, der Weg dahin aber auch nicht den Film alleine trägt, dann wird es diffizil.
Und dann gibt es da ja noch so ein paar Szenen, die gerne zitiert oder angesprochen werden. Da mag mancher dies anstößig oder provokativ finden und ja, „Saltburn“ geht in mancher Hinsicht etwas weiter. Schockierend ist das nicht, eher plump in meinen Augen. Die Aussage mag in einer Badewanne oder auf einem Grab transportiert werden, die so gewählte Inszenierung kann sich von einer Sensationsgeilheit aber nicht freisprechen. Da hilft auch manch schön gestaltete Bildkomposition nichts.
Ob beim talentierten Mr. Quick wirklich nur die Sonne Zeuge war oder einfach Harry bei deinem Namen gerufen wurde und das die Regeln des Spiels sind? Als Beobachtung der britischen Überschicht wenig erhellend, als Variation eines Mr. Ripley zu wenig spannend – nirgends trifft „Saltburn“ so richtig einen Nerv und mäandert zwei Stunden lang prätentiös durch die Gegend. Begierde(n), Spielwiese, Rivalität, zurücklassen. Überwiegend kompetent gespielt, doch wenig überraschend im Verlauf und dadurch mitunter zäh. Hat für mich nicht funktioniert.