Review

Die Stilregel

Mit „Promising Young Women“ hat sich Emerald Fennell auf viele Radare geschossen. Auch auf meinen. Ich wundere mich sogar, warum ich den auf Amazon erschienenen „Saltburn“ als ihr neuesten Streich nicht schon viel schneller angeguckt habe. In dieser erotisch-bitterbösen Satire auf Wohlstand, Sittenverfall und unser enorm egoistisches Streben nach Reichtum und Erfolg wird ein eher unscheinbarer Student über den Sommer in das riesige Herrenhaus (fast schon Schloss) seines legendär reichen und beliebten Kommilitonen eingeladen, wodurch er auf den Geschmack von Luxus und Wollust kommt…

Call Me By Your Shame

„Saltburn“ ist schon ein eingebildeter Fatzke von Film, das kann man nicht anders sagen. Für mich im positivsten Sinne, da diese hochnäsige und überstilisierte Art auch zum Inhalt passt, definitiv mit einem Augenzwinkern versehen ist. Wer aber allgemein schon Probleme mit „Saltburn“ hat, dem wird seine hohe Nase definitiv noch mehr gegen den Strich gehen. Die (leere?) Schönheit von „Saltburn“ hat auf mich allerdings mächtig Eindruck gemacht. Dazu eine edle Schauspielerriege, ein paar (sexuelle) „Schocks“ und definitiv im Gedächtnis bleibende Szenen, wie Keoghans finale Tanzsequenz, die ja sogar bis ins TikTok-Land (?) Wellen geschlagen hat. „Saltburn“ hatte um die Jahreswende definitiv einen mittelgroßen Hype. Und meiner Meinung nach auch verdient. Wenn auch bei mir eher aus anderen Gründen als den etwas gewollten und aufgesetzten sexuellen „Tabus“ mit Körperflüssigkeiten, Nekrophilie und familiären Spannungen. Den Soundtrack von „Saltburn“ kann ich nicht außen vor lassen - seitdem läuft bei mir Tomcrafts „Happiness“ wieder rauf und runter als ob’s 2002 wäre. Audiovisuell ist das alles ein Fest, das mal ganz locker-flockig über inhaltliche Wiederholungen, Schikanen und Kaskaden hinweghilft. Keoghan endlich mal nicht nur in einer Nebenrolle. Durchaus böse und bitter von der gesamten Ausrichtung. Wie eine edle Praline überzogen mit weißer Schokolade und Nougatsplittern - gefüllt jedoch mit Kot und Kotze. 

Gefährliche Triebschaften

Fazit: stylisch, sexy, (gewollt-)schockierend - „Saltburn“ sieht nicht nur fast schon zu hübsch aus, er weiß das zudem auch noch. Was ihm eventuell nicht immer zugute kommt oder auf manche ein Stück prätentiös wirken kann. Für mich hat das seine Anziehungskraft aber nur noch erhöht. Nur das letzte Drittel überschlägt sich mir etwas. Vielleicht war „Promising Young Women“ noch besser - dennoch ist Frau Fennell für meinen Geschmack noch immer on fire! 

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