Es gibt sie also noch, die deutschen Exporte, die teilweise mit Auszeichnungen bedacht werden. Über eine Sandra Hüller wird in den kommenden Jahren noch zu reden sein, während sich Diane Kruger bereits seit einiger Zeit auf internationalen Terrain etablieren konnte. Mit vorliegendem Thriller wird sie ihrem guten Ruf jedoch nur bedingt gerecht.
Estelle (Kruger) ist Pilotin und lebt mit ihrem Mann Guillaume (Mathieu Kassovitz) in einem luxuriösen Haus nahe dem Meer. Als sie eines Tages zufällig auf ihre Jugendliebe Ana (Marta Nieto) trifft und erneut eine Affäre mit ihr eingeht, scheint Estelles perfektes Leben ins Wanken zu geraten. Zumal sie Visionen hat, die sich binnen kurzer Zeit zu bewahrheiten scheinen…
Regisseur Yann Gozlan hat sich bei seinem Thriller mit erotischen Anleihen deutlich an den Genrevertretern der 90er orientiert. Die latent schicksalsschwangeren Streicher erinnern frappierend an Beiträge wie „Basic Instinct“ und auch sonst stand Paul Verhoeven augenscheinlich für einige Motive Pate. Zudem gibt es weitere Referenzen hinsichtlich gewichtiger Namen wie Hitchcock, Polanski und De Palma, nur eine eigene markante Handschrift lässt sich schwer ausmachen.
Dabei bleibt die Konstellation der Geschichte recht überschaubar. Es mischen nur wenige relevante Figuren mit, im Mittelpunkt steht eine Dreiecksgeschichte und eben jene Visionen und Halluzinationen, die eventuell Hinweise auf bevorstehende Ereignisse geben könnten.
Es gibt wiederkehrende Bilder von Quallen, zerbrochenem Glas oder einer Gruppe Motorradfahrer, während zumindest die Übergänge zwischen Einbildung und Realität angenehm fließend und hübsch durchkomponiert sind.
Allerdings wartet man zwischen Traumbildern, angedeuteten Erotikeinlagen und eher tristem Ehealltag auf einschneidende Ereignisse, die sich einfach nicht einstellen wollen. Auf Dauer reicht es nicht, mit eventuell eintretenden Schicksalsschlägen zu spielen, wenn sich selbst ein Flug auf Kollisionskurs wahrscheinlich nur als weitere Vision herauskristallisiert. Zudem ist es nicht leicht, ins Innere der Hauptfigur zu blicken, welche sich niemandem anvertraut und bei der lange Zeit nicht klar wird, welche Beziehungsziele sie überhaupt verfolgt.
Hübsch gestaltete Nahaufnahmen der Mittelmeerlandschaft und großzügig ausgestattete Lokalitäten reichen auf Dauer nicht aus, um Spannung zu generieren. Doch auch als es endlich zu einem nennenswerten Tatbestand außerhalb der Einbildungskraft kommt, gestaltet sich das Treiben nur leidlich spannend. Da für die dazugehörige Auflösung nicht allzu viele Möglichkeiten in Betracht kommen, überrascht der Stoff auch diesbezüglich nicht.
Indes ist das Spiel der Kruger zwar über jeden Zweifel erhaben, doch das Drehbuch lässt sie über weite Teile im Stich. Marta Nieto vermag mit ihrer leicht undurchschaubaren Figur einen deutlich besseren Eindruck zu hinterlassen, wogegen Kassovitz quasi kaum vorhanden ist.
Audiovisuell sind ein paar schicke Ansätze vorhanden, doch die nehmen innerhalb der viel zu lang geratenen 132 Minuten deutlich zuviel Raum ein, während die eigentliche Geschichte kaum innovative Ansätze zu bieten hat. Am Ende bleibt nur nett anzusehende Durchschnittsware, die gefühlt 30 Jahre zu spät kommt.
5,5 von 10