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Mit seiner zweiten Regiearbeit begibt sich der südkoreanische Regisseur Lee Chung-hyun in die Gefilde des Rachethrillers. Dabei ist stets ein wenig Geduld erforderlich, allein, weil nach den ersten zwanzig Minuten noch nicht so ganz deutlich wird, worauf der überhaupt hinauslaufen möchte.

Die ehemalige Leibwächterin Ok-ju (Jeon Jong-seo) besucht ihre beste Freundin und findet diese nach einem Suizid im Badezimmer vor. Ihre letzte Nachricht ist allerdings deutlich: Sie wünscht sich Rache an denen, die sie soweit getrieben haben, allen voran Gangster Choi (Kim Ji-hoon) der in Sachen Drogen und Frauenhandel unterwegs ist…

Dem Einstieg haftet immerhin eine gewisse Coolness an, als einige Typen einen Drug Store überfallen und Ok-ju als Kundin einfach mal dazwischen funkt. Danach werden immer mal wieder einige Flashbacks bemüht, um die innige Freundschaft zu untermauern, doch daraus ergibt sich kaum ein emotionaler Antrieb für die nachfolgenden Racheaktionen, die darüber hinaus zu selten Actionmomente einbinden.

Zwar sehen einige Schauplätze mit viel Neon und einigem Hochglanz zuweilen schick aus, doch die musikalische Untermalung mit unglücklich gewähltem Hip Hop macht einiges dieser potenziellen Atmosphäre zunichte. Besser ist der Score, wenn er auf nostalgisch anmutende Bässe oder Flächen setzt.

Indes kann sich die Action in Form von Fights und später mit Einsatz von Schusswaffen sehen lassen, da ihr einigermaßen Druck mitschwingt und zugleich eine gesunde Härte hervorbringt. Da kann auch schon mal ein Messer durch die Wange dringen oder jemand im Eifer des Gefechts einen Unterschenkel verlieren. Zudem macht Hauptdarstellerin Jeon Jong-seo eine gute Figur, indem sie eben nicht wie eine Superheldin durch die Reihen zieht, sondern auch mal kleine Schwächen offenbart.

Storytechnisch begibt man sich auf altbekannte Bahnen und liefert rein gar keine innovativen Impulse. Gut und Böse sind klar definiert und während die Tunichtgute hin und wieder ihre garstigen Absichten mit leicht tumb anmutenden Dialogen untermauern, spricht der Racheengel nur das nötigste, was hinsichtlich einer Charakterentwicklung nicht sonderlich dienlich ist.

Ein wenig merkwürdig ist auch die tonale Gangart des Unterfangens. Während ernste Themen wie Menschenhandel mit düsteren Sets einhergehen, ereignen sich zwischenzeitlich beinahe skurril anmutende Szenen wie ein Waffenkauf in der Wüste, wo anbei ein massiver Flammenwerfer präsentiert wird. Gegen Showdown wird es abermals düster, wobei die Action hier ein wenig hektisch anmutet, untermauert von vielen Schnitten und einigen leicht schrägen Kameraperspektiven.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten liefert die simpel gestrickte Story hinlänglich bekannte Abläufe, leistet sich innerhalb der 93 Minuten aber auch immer mal wieder ein wenig Leerlauf. Die emotionale Wucht kommt bei alledem leider deutlich zu kurz und obgleich sämtliche Mimen passabel liefern, hält sich das Mitfiebern eher in Grenzen.
Ein recht austauschbarer Rachefilm, der mit innovativen Kniffen wenig am Hut hat, handwerklich aber ganz okay ausgeführt ist.
5,5 von 10

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