Review

Rachegeschichten sind aktuell das ganz große Ding und da kann sich auch Asien immer schlecht zurückhalten, die haben es ja durchaus mit überdimensionierter Gewalt oder martialischer Härte, wenn es darum geht, begangenes Unrecht wieder gut zu machen.

Darüber hinaus gibt es da meist auch etwas fürs Auge und das gilt auch für den koreanischen „Ballerina“, der seine Revenge-Story mal untypischer angeht.

Das Opfer, eine Ballerina, ist hier nämlich mal von eigener Hand gestorben, ihrer einzigen Freundin nur einen kryptischen Hinweis über einen Internetbestelldienst hinterlassend. Sehr riskant, immerhin hätte man den Link auch übersehen können – auf jeden Fall macht sich die nominelle „Heldin“, eine wortkarge, verschlossene Personenschützerin, geduldig an die Arbeit und puzzelt sich dann zusammen, was ihre Freundin so arg mitgenommen hat. Wie gut, wenn man wohl finanzielle Rücklagen hat.

Um es vorweg zu nehmen: der suizidale Grund war dann nur regelmäßiger erpresserischer BDSM-Sex, der auf Film gebannt wurde und der schnieke Murkel, der ihr das angetan hat, besitzt eine ganze Sammlung dieser cineastischen Sticks, alles Eroberungen aus dem Bereich Schulmädchen bis Bürofachangestellte. Also rüscht sich unsere Rächerin auf, geht in die Clubs, schaut verloren drein, lässt sich aufgabeln und abschleppen, bis alles in einer Art plüschigem Stundenhotel endet, wo die Holde sich dann anschickt, den üblen Missbraucher wegzumeucheln. Das gelingt, mangels Erfahrung und Entschlossenheit, dann nicht wegen erheblichen Widerstands, aber immerhin verziert sie ihm das Gesicht mit einer Klinge derart, dass in Sachen Topmodel-Gangster nichts mehr läuft.

An dieser Stelle kommt dann all das zusammen, was man auch sonst in Asia-Revenge-Stories erwartet: der Jüngling sinnt auf Rache, die junge Frau findet eine weitere mißbrauchte Person mit noch größerem Rachedurst und hinter dem Saftarsch mit der Ledergerte steht eine mehrdutzendköpfige Gangsterorganisation Marke „Seht alle her, wie grell ich rüberkomme und diabolisch ich lache!“. Das geht’s dann um Rauschgift und…was soll ich sagen…ich hab das Interesse verloren. Irgendwo im Mittelteil zwischen süßlichen Erinnerungsfetzen, softer menschlicher Kontaktanbahnung und Realisierung der eigenen Position sind mir in diesem zwar delektabel gefilmten und ausgestatteten, aber dramaturgisch valiumesken Drama die Füße eingeschlummert. Mag sein, dass „Ballerina“ mehr an die gefühlvolle Seite appellieren sollte oder für Frauen als Zielgruppe gedacht war, aber die Story dreht immer wieder in den Leerlauf, weil man von Anfang an weiß, dass dieser gut abgehangene Schinken nur in einer gewaltigen Gewaltorgie enden kann – und man auch gleich dorthin spulen kann, egal wer die Gegner sind.

Und wie die Asiaten nun mal so inszenieren: unsere Heldin läuft schließlich in die Drogenaufzuchtzentrale, macht allen mit ihrer Knarre richtig fett Angst, bis sich die ganzen Schergen nach allerlei ängstlicher Wegduckerei spontan entscheiden, doch Gegenwehr zu leisten und ihr, wie die seligen Indianer oder Buschmänner oder Rambotückebolds rudelweise waffenlos entgegensprinten, um sie mit der bloßen Masse zu erschlagen. Da gewinnt der Film dann nicht an Intelligenz, aber immerhin an Härte, erinnert das finale Rückzugsgefecht in einer Küche doch ein wenig an „Old Boy“ – und sie erschießt und erschlägt sie auch wirklich alle.

„Lone Revenger“-Filme müssen nicht zugängliche Figuren bieten, im Gegenteil, aber packen müssen sie den Zuschauer und etwas so emotionarm Egales wie hier die wortkarge Protagonistin gab es schon lange nicht mehr in so einer netten Hochglanzproduktion zu bestaunen. Weder reißt die Figur emotional mit, noch kann es, bis auf die karg verteilten Gewaltausbrüche, sonst irgendwie mitreißend punkten, die Bösen sind Klischees und dass das Vehikel Handlung alle 10 Minuten für eine bombonbunte Erinnerung Marke „Ziemlich beste Freunde“, nur ohne Rollstuhl, unterbrochen wird, macht das Hohelied auf Freundschaft unter Frauen nicht interessanter.

Asia-Fans werden sicherlich etwas daran finden, etwas feministischen Aufbruch mache ich darin auch aus und es ist auch alles hübsch häßlich, aber ich muss schon dieses Review schreiben, damit der Film nicht gar zu schnell aus meinem Gedächtnis verschwindet. Simplizität und nette Oberflächen.(4/10)









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