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Oscarpreisträger und „Get Out“ - Hauptdarsteller Daniel Kaluuya wagt sich mit seinem Regiedebüt in dystopische Gefilde. Die leicht futuristisch anmutenden Schauplätze scheinen allerdings gar nicht so weit in der Zukunft zu liegen.

In einem düsteren London in der Zukunft ist der Ort in mehrere Bereiche aufgeteilt. Richtig hart trifft es die Bewohner in „The Kitchen“: Sozialwohnungen gibt es nicht mehr, das Wasser ist arg rationiert und bei knallharten Polizeirazzien sind die Menschen auf sich allein gestellt. Hier wohnt Izi (Kane Robinson), der bei einem Bestattungsunternehmen arbeitet und dort auf Teenager Benji (Jedaiah Bannerman) trifft, welcher in Izi seinen leiblichen Vater vermutet…

Es bedurfte nicht vieler Mittel, um den Unterschied zwischen den Bereichen herauszuarbeiten. So steht das sterile Bestattungsunternehmen im starken Kontrast zu den heruntergekommenen Slums der Kitchen, während Bereiche der Wohlhabenden oder gar der Machthabenden komplett ausgeklammert werden. Nur einmal ist eine Wohnung in einer vermeintlich besseren Gegend zu erhaschen, die trotz digitaler Gimmicks betont kühl anmutet.

Leider wird man mit Hauptfigur Izi rein gar nicht warm. Der stets schweigsame, latent melancholisch drein blickende Typ wirkt unnahbar und beinahe emotional abgestumpft, während Benji ein Durchschnittsteenager ist, der als frischer Waise eine Anlaufstelle sucht und auch mal bei einer Jugendgang andockt. Hier mangelt es komplett an Konfliktpotenzial, da sich das Verhältnis der beiden Hauptfiguren nur langsam ändert und etwaige Hintergründe kaum Erwähnung finden.

Ohnehin gibt es kaum einen Background, geschweige denn, eine Vorgeschichte. Dass die Kluft zwischen arm und reich immer weiter driftet und dies besonders in einer Metropole wie London liegt zwar auf der Hand, doch einige Hintergrunddetails hätten der Story gewiss gut getan. So dient als einziger Hoffnungsschimmer in den Slums der Zusammenhalt unter den Bewohnern und ein DJ, der offenbar überall im Gebiet zu hören ist und als Bindeglied der Menschen dient.

Action ist indes fast keine zu verzeichnen. Zwar rauschen mal einige Motorräder durch die engen Gassen des Areals und bei der zweiten Razzia wird ein wenig am Tempo gedreht, doch dem gegenüber stehen viele ruhige und einige deutlich zu lang ausgefallene Momente, die oft nicht mehr als ein Innehalten oder in sich kehren markieren. Emotional kommt bei alledem erschreckend wenig rum.

Den teils komplett unerfahrenen Mimen ist in diesem Kontext nichts vorzuwerfen, - im Gegenteil sind sie doch mehrheitlich mit sichtlicher Spielfreude dabei, ohne sich dem Overacting hinzugeben.
Der gut abgestimmte Score fügt sich treffend in die triste Atmosphäre, nur die dünne Story kommt nie so recht auf den Punkt und mäandert phasenweise recht lahm vor sich hin.
So wirkt das Ganze wie eine Fingerübung, die ein wenig ziellos anmutet, obgleich die wesentlichen Zutaten trotz sichtlich geringen Budgets funktionieren.
5 von 10
 



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