In einer nahen Zukunft in England haben sich die Lebens-, vor allem jedoch die Wohnbedingungen der Menschen deutlich verschlechtert. Wer an den Rand gedrängt wird, muß sein Dasein in heruntergekommenen Wohnsilos fristen, ständig in der Angst, von einer brutal auftretenden Polizei vertrieben zu werden.
Ein solcher Wohnblock ist der titelgebende The Kitchen, in der Izi (Kane Robinson) ein Ein-Personen-Apartment bewohnt. Der Mittdreißiger, wie die allermeisten Bewohner ein Brite afrikanischer Herkunft, versucht sich gesetzeskonform zu verhalten, wozu auch sein Job bei einem Beerdigungsinstitut beiträgt. Mit diesem immerhin regelmäßigen Einkommen träumt er von einer etwas besseren Wohnung im Kitchen-Block, kann sich jedoch noch nicht entschließen, den bei einer KI bereits beantragten Wohnungswechsel wirklich durchzuziehen.
Eines Tages lernt er bei seiner Arbeit, die darin besteht, interessierten Besuchern eine Bestattung in Form von Erde für einen frisch gepflanzten Baum zu verkaufen, den 12-jährigen Benji (Jedaiah Bannerman) kennen. Der hat gerade seine letzte Bezugsperson, nämlich seine Mutter verloren, welche nun als Pflanzenerde einer friedlichen Zukunft entgegensieht. Eher zufällig nimmt Izi den Jungen auf seinem Motorrad mit, später trifft er ihn nochmals. Benji wird von einer der vielen Jugendgangs rekrutiert, wovor ihn Izi eindringlich warnt. Er weiß zwar nicht, wieso er dies tut, doch der sichtbar naive und dem Leben kaum gewachsene Junge weckt in dem Bestatter gewisse Beschützerinstinkte. 2 Nächte darf Benji auf Nachfrage in Izis Apartment übernachten, dann muß er wieder raus. Hin- und hergerissen zwischen dem Leben auf der Straße und dem fremden Erwachsenen entwickelt der Junge eine gewisse Anhänglichkeit, welcher sich Izi nicht entziehen kann...
Die Dystopie The Kitchen verpasst es gleich in mehrfacher Hinsicht, die Erwartungen des Zuschauers zu erfüllen: zum einen sind die Sci-Fi-Elemente viel zu spärlich gesäht, um den Streifen wirkungsvoll als Zukunftversion zu präsentieren (bis auf ein paar Hologramme und Computerstimmen ist da praktisch gar nichts), zum anderen findet keine nachvollziehbare Handlung statt, an der man sich orientieren könnte. Einige Momentaufnahmen eines gesellschaftlichen Zustandes, wie er sich auch in der heutigen Gegenwart abspielen könnte, genügen nicht, irgendwelche Spannung zu erzeugen. Das sich über wenige Wochen hinziehende Kennenlernen der beiden Hauptdarsteller erlaubt diesen auch keinerlei Charakterentwicklung, sodaß das offene Ende den Zuschauer eher ratlos zurückläßt.
Gerade einmal die Lebensbedingungen des schäbigen Wohnblocks werden einigermaßen plastisch geschildert, wenn gleich in der Eingangsszene einige Dutzend Bewohner einen Imbißwagen stoppen und ausrauben, um das (rare) Essen im Block zu verteilen. Die gemeinschaftlich erlebte Solidarität spiegelt sich auch im warnenden Topfschlagen wieder, wenn sich wieder einmal die martialisch auftretende Polizei nähert, um eine Razzia durchzuführen, bei der sie jeden, den sie auf den Gängen rund um den Block erwischt, mit Gummiknüppeln und Tasern bearbeitet. Einige Jugendliche versuchen auch, mit selbstgebauten Katapulten einige der zahlreichen Polizeidrohnen, die ständig um den Block schwirren, abzuschießen - mit allerdings mäßigem Erfolg. Außerdem verfügt The Kitchen über eine Art eigenen Radiosender, betrieben von einem einzelnen Bewohner, der per Lautsprecher jeden Morgen ab 7.00 Uhr mit wohlgesetzten Worten den Widerstand der Bewohner gegen die offenbar geplante Vertreibung beschwört.
Die Marginalisierung der Bewohner von The Kitchen wird somit greifbar, doch mehr als diese durchaus eindringlichen Momentaufnahmen hat der Film nicht zu bieten. Viele Szenen bleiben darüber hinaus erklärungsbedürftig und ergeben in einem ohnehin kaum erkennbaren Gesamtzusammenhang keinen Sinn. Zurück bleibt neben der allgegenwärtigen Hoffnungslosigkeit allerdings noch mehr Ratlosigkeit, was die Regie mit diesem Streifen wohl bezwecken wollte. 3 Punkte.