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Ob der damals bei der Auseinandersetzung mit dem nekrophilen Serienmörder Wörmer, der auch ihnen ans Leder wollte (siehe "Nightwatch - Nachtwache"), erlittenen Traumata hat sich Ex-Nachtwächter Martin Borg in die Alkohol- und Pillensucht geflüchtet, während sich seine im Anschluss an das durchlittene Martyrium geehelichte Freundin Kalinka zwischenzeitlich das Leben genommen hat. Medizin-Studentin Emma, die Tochter der beiden, leidet unter den Geschehnissen aus zweiter Hand, nimmt, um mit der Vergangenheit ihrer Eltern klarzukommen, wie ihr alter Herr ebenfalls einen Job als Nachtwächterin in der Gerichtsmedizin an... und nachdem sie herausfindet, dass Wörmer die Kugeln, die er sich damals eingefangen hatte, überlebt hat und seit fast 30 Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung verwahrt wird, stattet sie diesem einen Besuch ab, um sich selbst Schock-Therapie-mäßig zu heilen. Doch kurz darauf wird ihre Tauf-Patin, die Pfarrerin Lotte, von einem Nachahmungs-Täter ermordet, der seine Opfer nach dem Vorbild von Wörmers Taten skalpiert und es auch auf Emma und ihren Vater abgesehen hat... 29 Jahre nach seinem dänischen Vorzeige-Thriller "Nightwatch - Nachtwache" von 1994, der ja längst als moderner Klassiker gelten darf, hat sich Ole Bornedal offenbar nochmal auf seine Wurzeln besonnen und diesem mit "Nightwatch: Demons Are Forever" ganz überraschend eine verpätete Fortsetzung angedeihen lassen, mit der vermutlich niemand so wirklich gerechnet hat. Dass das Ganze da für seinen Macher eine Herzensangelegenheit gewesen ist, mag man da gerne glauben angesichts des Umstands, dass die Regisseurs-Tochter Fanny Leander Bornedal - die zur Zeit des Originals noch gar nicht auf der Welt gewesen ist - hier als Hauptdarstellerin besetzt wurde und sogar Nikolaj Coster-Waldau und Kim Bodnia, die mittlerweile größere Namen sind als noch Mitte der 90er, erneut mit von der Partie sind und wieder in ihre damaligen Rollen schlüpfen. Die Vorzeichen für dieses Legacy-Sequel standen zur Abwechslung also tatsächlich mal ziemlich gut... schade, dass man es dennoch geschafft hat, das alles nach Strich und Faden zu verbocken: Das Gespür für glaubwürdig gezeichnete Figuren und Suspense-lastige Set-Pieces ist Bornedal nämlich zwischenzeitlich wohl irgendwie abhanden gekommen und so hat er hier nicht mehr als ein ziemlich dürftiges und echt lahmes Psycho-Thrillerchen zustande gebracht, das sich sämtliche Beteiligten mal lieber hätten sparen sollen. Was damals nämlich noch für echte Hochspannung und Gänsehaut gesorgt und ein Ausrufezeichen für das europäische Genre-Kino gesetzt hatte, verbreitet nun nur noch Langeweile und verursacht nichts als Fremdscham ob Nikolaj Coster-Waldaus erbramungswürdig mieser Performance als Martin Borg... übrigens ein weiterer Film-Charakter, den man lieber aus 'nem ollen, alten Streifen in guter Erinnerung behalten hätte, der aber nun im Zuge zeitgeistiger Modernisierung demontiert und ruiniert wurde. Na danke vielmals, ey! "Nightwatch: Demons Are Forever" ist echt die schlimmste Art von verspäteter Fortsetzung geworden, die keinesfalls nochmal die dichte Atmosphäre des Erstlings heraufbeschwört (das Leichenhallen-Setting etwa wird hier gänzlich verschenkt!), dessen schwarzhumorigen Touch unter den Tisch fallen lässt und es auch nicht hinbekommt, inhaltlich adäquat an den Vorgänger anzuknüpfen. Wozu das Ganze also?!? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich irgendein Fan des Originals hiervon abgeholt fühlt, denn gegen "Nightwatch: Demons Are Forever" sieht ja selbst Bornedals versemmeltes 1997er-US-Remake "Freeze - Alptraum Nachtwache" direkt richtig gut aus...!

3/10

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