Review

Bettgelüster

In Romeros mehr als ungewöhnlichem Regiezweitling (nach seinem Untoten-Überklassiker) zeigt der Godfather of Zombies, dass er schon damals mehr konnte als "nur" hirnlose Menschenfresser neu zu erfinden. Zumindest wollte er sich mit dieser sozialkritischen Romanze direkt von einer ganz anderen, menschlicheren Seite zeigen, sich nicht festlegen lassen. Im Sog und Stil von "The Graduate" oder "Alfie" lässt er cassavetes-artig einen jungen Mann und eine noch jüngere Frau aufeinandertreffen - meist im Bett. So entwickelt sich eine dynamische Liebelei, die nicht nur den Sommer versüßt sondern den beiden auch kostbare Erkenntnisse für den Rest ihrer Leben mit auf den Weg gibt... die dann eher bitter nachhallen.

Diese unglückliche Liebe könnte kaum weiter weg von Romeros legendärem Erstling sein. Wenn er zeigen wollte, wie weit sein Spektrum reicht, ist ihm das gelungen. Dabei hat er zwar vergessen einen guten Film zu machen, oder konnte dies in diesem Genre schlicht noch nicht, vertane 90 Minuten sind es aber ganz sicher nicht. Wie immer bei Romero schlummern unter der lockeren Fassade ein paar bittere gesellschaftskritische Backpfeifen. Diesen Ansatz und den Willen etwas sagen zu wollen, vielleicht sogar etwas zu ändern, ließ Romero selbst in seinen durchwachseneren Werken nicht los. Das zeichnet ihn aus. So werden wir ihn in Erinnerung behalten. Wenn man nur minimal hinter das modrige Zombiefleisch schaut. In "There's Always Vanilla" werden die (nicht nur damaligen) Geschlechterrollen (bzw. wie die Gesellschaft sie sah) clever angeknackst. Egal ob das angesagte Machotum oder das typisch-saccharine Happy End, alle bekommen ihr Fett weg. Spontane Leidenschaft, junge Liebe, aufgerieben an den eigenen Erwartungen und denen der Gesellschaft. Kein hübscher Film, kein süßer Film - sondern ein ehrlicher und teilweise fast unangenehmer. Jedoch insgesamt nur eine unbedeutende Fingerübung und ein labbriger Beweis, den eigentlich keiner gefordert hatte. Doch selbst solch einem kleinen Schinken spürt man seine Anti-Haltung an. Wo Romero drauf steht, ist er nunmal auch immer drin. Manchmal versteckter, manchmal offensichtlicher.

Fazit: verloren, vergessen, verdreht? "There's Always Vanilla" ist als regietechnischer Nachfolger der Nacht der lebenden Toten eine Enttäuschung sondergleichen. Doch als eigenständiges Geschlechterdrama und Beweis für Romeros Mehrseitigkeit durchaus interessant. Muss man selbst als Die-Hard-Romeroianer nicht unbedingt kennen, doch für sich genommen kein übler Flirt mit etwas Neuem.

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